Berlin - Kulturstaatsministerin Monika Grütters ist die Spitzenkandidatin der Berliner CDU für die Bundestagswahl am 26. September. Grütters (59) wurde am Sonnabend mit deutlicher Mehrheit von den Delegierten eines digitalen Landesparteitags auf den ersten Platz der Kandidatenliste gewählt. Sie erhielt 158 Stimmen (69 Prozent). Der Gegenkandidat Kevin Kratzsch kam auf 67 Stimmen (29 Prozent). Grütters sitzt seit 2005 im Bundestag. Seit 2013 ist sie Kulturstaatsministerin. Sie will bei der Wahl auch als Direktkandidatin für den Wahlkreis Reinickendorf antreten.

In ihrer Bewerbungsrede betonte Grütters ihre Leidenschaft für die Hauptstadtpolitik. Sie wolle weiter bundespolitische Akzente für Berlin setzen, vor allem im Bereich Kultur. Berlin erhalte seit Jahren vom Bund „für seine strahlende Hauptstadtkultur“ mehr Fördermittel als vom Senat, sagte Grütters. „Mein Berliner Herz schlägt auch aus dem achten Stock des Kanzleramts heraus für unsere Stadt.“ 

Promi-Kandidatin Claudia Pechstein kommt auf Platz 6 der Landesliste

Aus der Bundestagswahl 2017 war die CDU in Berlin mit 22,7 Prozent als stärkste Partei hervorgegangen. Sie hat seither sechs Abgeordnete im deutschen Parlament. Das Ende der Ära Merkel, die anhaltende Corona-Pandemie und der heftige Streit um die Kanzlerkandidatenfrage lässt bundesweit ein schwächeres Ergebnis erwarten.

Auch deswegen war mit Kampfkandidaturen für die wenigen aussichtsreichen Plätze zu rechnen. So hatten in den Tagen zuvor der Ost-Berliner ehemalige Bundestagsabgeordnete, diesmal aber Wahlkreis-lose Philipp Lengsfeld sowie der frühere Gesundheits- und Sozialsenator Mario Czaja aus dem Wahlkreis Marzahn-Hellersdorf ihre Hüte in den Ring geworfen.

Kurz vor knapp trudelte noch die Bewerbung von Deutschlands Rekord-Olympionikin Claudia Pechstein für Treptow-Köpenick ein. Die Dauer-Eisschnellläuferin tritt im Berliner Südosten gegen den Dauer-Bundestagsabgeordneten Gregor Gysi an. Das Parteipräsidium ließ sich die Chance auf eine Promi-Bewerberin nicht entgehen und schlug Pechstein für Listenplatz 6 vor – einer mehr als wackligen Position. Am Ende wurde die Bundespolizistin und Leistungssportlerin ohne Gegenkandidaten mit großer Mehrheit gewählt.

Thomas Heilmann setzt sich gegen drei Ost-Kandidaten durch

Für Platz 2 hatte das Parteipräsidium zuvor den 45-jährigen Vorsitzenden der Berliner CDU-Landesgruppe Jan-Marco Luczak aus Tempelhof-Schöneberg vorgeschlagen. Für Platz 3 stand die 37-jährige Ottilie Klein aus Mitte zur Wahl, Abteilungsdirektorin beim Bundesverband Öffentlicher Banken. Beide wurden jeweils ohne Gegenkandidaten mit klaren Mehrheiten gewählt. 

Auch Klaus-Dieter Gröhler aus Charlottenburg-Wilmersdorf, seit acht Jahren im Bundestag, ging auf Platz 5 – dem letzten mit realistischen Aussichten – ohne Gegenkandidaten glatt durch.

Umkämpft war am Sonnabend vor allen das Rennen um Listenplatz 4. Dort trat als Favorit des Präsidiums der Bundestagsabgeordnete und frühere Justizsenator Thomas Heilmann aus Steglitz-Zehlendorf an. Für den Platz traten aber auch Philipp Lengsfeld, Mario Czaja und auch die Pankower Kandidatin Manuela Anders-Granitzki an. Am Ende setzte sich Heilmann mit 62,3 Prozent gegen die geballte Ost-Power durch. Anders-Granitzki kam auf 18,6 Prozent, Czaja holte 16 Prozent, für Lengsfeld stimmten nur 1,7 Prozent der 235 Delegierten.

Mario Czaja sagte anschließend, dass „alle sicheren Plätze an Kandidaten aus Bezirken westlich des Brandenburger Tors“ gegangen seien. Auf den zehn Plätzen der Liste befänden sich drei Kandidaten aus Steglitz-Zehlendorf, „aber kein einziger aus Lichtenberg, Pankow und Marzahn-Hellersdorf, drei Bezirken, aus denen eine Million Berlinerinnen und Berliner kommen“, sagte der gebürtige Ost-Berliner.

Czaja hätte sich nach eigenen Worten mehr Unterstützung der Landespartei erhofft. „Aber dort ist die Dimension der Bedeutung des Wahlkreises Marzahn-Hellersdorf leider nicht erkannt worden.“

Der 45-Jährige tritt dort gegen Bundestagsvizepräsidentin Petra Pau von den Linken an, der Partei, die den Wahlkreis in den vergangenen drei Jahrzehnten immer geholt hat. Marzahn-Hellersdorf gilt als Linken-Herzkammer. Czaja selbst kann darauf verweisen, dass er bei den vergangenen vier Abgeordnetenhauswahlen den – deutlich kleineren – Wahlkreis Kaulsdorf-Mahlsdorf stets direkt gewonnen hat. 

Für seine erste Bundestagskandidatur erfährt der frühere Senator nun keine Hilfe aus der Parteizentrale. Für ihn bedeute das nach eigenen Worten ab sofort: „Kein Parteienzwang, keine faulen Kompromisse.“