Gelbe Zahlenschilder der Mordkommission nach den tödlichen Schüssen am Tempelhofer Feld. 
Foto: dpa/Paul Zinken

BerlinDie Hinrichtung des Clan-Kriminellen Nidal R. am Tempelhofer Feld vor zwei Jahren soll laut einem Insider ein Racheakt für eine Ehrverletzung  gewesen sein. Das schreibt Aussteiger Khalil O. in dem jetzt erschienenen Buch „Auf der Straße gilt unser Gesetz“. Darin geht es über sein Leben in einem Clan und seinen Ausstieg aus der Kriminalität. Das Buch entstand in Zusammenarbeit mit der Journalistin Christine Kensche. Es habe nach ihren Angaben mehr als 50 Treffen mit dem früheren Drogenhändler Khalil O. gegeben, sie habe seine Geschichte bei Polizei und Staatsanwaltschaft gegenrecherchiert. Dort halte man sie für glaubwürdig.

Khalil O. berichtet darin, eigentlich sei es im Konflikt zwischen Nidal R. und seinen Leuten und einer anderen Familie um Drogengeschäfte und die Reviere an den U-Bahnhöfen in Neukölln gegangen. Zur tödlichen Eskalation habe dann ein „krasser Fehler“ geführt. Nidal R. habe demnach als Gast auf einer Hochzeit einen älteren Mann vor dessen Frau und Kindern geschlagen. „Es war eine heftige Ehrverletzung, der andere hat das Gesicht verloren“, so Khalil O. 

Nidal R. habe versucht, die Sache zu bereinigen und einen Vermittler geschickt. Das sei abgelehnt worden. Der Vertreter der anderen Seite habe nur gesagt: „Nidal muss sterben“. Nidal R. sei wenig später gezielt am Tempelhofer Feld beim Grillen mit seiner Familie erschossen worden. „Dass Nidal vor den Augen seiner Frau und seiner Kinder getötet wurde, ist kein Zufall, genau das war die Rache. Man fasst keinen Mann vor seiner Frau und seinen Kindern an. Das ist ein Gesetz, und wer das bricht, muss dafür bezahlen“.

Bei der zuständigen Mordkommission im Landeskriminalamt und in der Staatsanwaltschaft weiß man laut Ermitterangaben zwar genau, wer die Täter seien. Offenbar gibt es aber nicht genug Beweise, die für eine Festnahme oder gar eine Anklage reichen. Im Clan-Milieu selbst wurden bereits kurz nach dem Mord Namen und Fotos der Mutmaßlichen genannt und auch bei Twitter, Facebook und Youtube veröffentlicht.