New York - Mehr als 55 Jahre nach der Ermordung des US-Bürgerrechtsaktivisten Malcolm X wird die Verurteilung von zwei Männern aufgehoben. Wie der New Yorker Staatsanwalt Cyrus Vance am Mittwoch mitteilte, sollen die Schuldsprüche gegen Muhammad A. Aziz and Khalil Islam annulliert werden. Beide Männer waren 1966 zu lebenslanger Haft verurteilt worden.

„Diesen Männern ist nicht die Gerechtigkeit widerfahren, die sie verdient hatten“, sagte Vance der New York Times. „Wir erkennen den Fehler, die Schwere des Fehlers an.“

Mord an Malcom X: Ermittler hielten Beweismittel zurück

Laut der Zeitung führte die Staatsanwaltschaft von Manhattan gemeinsam mit Anwälten der beiden Männer eine 22-monatige Untersuchung zu dem Fall. Sie fanden dabei heraus, dass Staatsanwälte, die Bundespolizei FBI und die New Yorker Polizei nach der Ermordung von Malcolm X Beweismittel zurückhielten, die damals vermutlich zu einem Freispruch für Aziz und Islam geführt hätten.

Der heute 83-jährige Aziz wurde 1985 aus dem Gefängnis entlassen. Islam kam 1987 frei und starb 2009. Wegen der Ermordung von Malcolm X im Jahr 1965 war im folgenden Jahr auch Thomas Hagan alias Mujahid Abdul Halim verurteilt worden. Dieser hatte in dem Prozess seine Schuld gestanden, die beiden anderen Männer aber als unschuldig bezeichnet. Der heute 80-Jährige kam 2010 auf freien Fuß.

Alle Verurteilten hatten der muslimischen Schwarzen-Bewegung Nation of Islam angehört, mit der Malcolm X gebrochen hatte. Der Bürgerrechtsaktivist war am 21. Februar 1965 bei einem Auftritt im New Yorker Stadtteil Harlem von drei Angreifern erschossen worden.

Untersuchung nach Netflix-Doku gestartet

Die erneute Untersuchung des Falls wurde nach Ausstrahlung der Netflix-Dokumentation „Who Killed Malcolm X?“ ("Wer hat Malcolm X umgebracht?") gestartet. Staatsanwalt Vance kündigte für Donnerstag eine Pressekonferenz an.

Malcolm X war eine der einflussreichsten Persönlichkeiten der Bürgerrechtsbewegung der 1950er und 1960er Jahre. Er war aber auch nicht unumstritten, unter anderem, weil er einen Einsatz von Gewalt unter gewissen Umständen als rechtmäßig ansah. Regisseur Spike Lee setzte ihm 1992 mit dem Drama „Malcolm X“ mit Denzel Washington in der Hauptrolle ein filmisches Denkmal.