Mord, Vergewaltigung, Raub: Über 15.000 Fälle von häuslicher Gewalt in Berlin

Familien gehen in Berlin aufeinander los. 2021 registrierte die Polizei 33 Tötungsdelikte, 590 Sexualdelikte und über 10.000 Fälle von Körperverletzung. 

Die Fallzahlen zur häuslichen Gewalt in Berlin auf konstant hohem Niveau 
Die Fallzahlen zur häuslichen Gewalt in Berlin auf konstant hohem Niveau Imago/photothek

Die Polizei Berlin registriert pro Jahr über 15.000 Fälle von häuslicher Gewalt in Berlin. 2021 lag die Zahl bei 15.630 Fällen. Im Jahr 2020 während der Corona-Pandemie bei 16.327 Fällen. Die Tatverdächtigen stammen aus der Familie oder oder sind die Partnerin oder der Partner.  Zwei Drittel der Opfer sind Frauen oder Mädchen.   

Das häufigsten Delikte sind Körperverletzungen (über 10.000 Fälle im Jahr) sowie Straftaten gegen die persönliche Freiheit (über 4000 Fälle). Doch im Jahr 2021 gab ebenso 590 Sexualdelikte wie Vergewaltigung und Missbrauch von Kindern. In 475 Fällen waren die Opfer Frauen oder Mädchen. Insgesamt erfasste die Polizei 121 Fälle von Raub in der Familie 

Häusliche Gewalt: 33 Fälle von Mord oder Totschlag im Jahr 2021

Auch Mord und Totschlag findet in den eigenen vier Wänden statt. Die Polizei Berlin erfasste im Jahr 2021 insgesamt 33 Tötungsdelikte. In 23 Fällen waren die Opfer weiblich, in zehn Fällen männlich.  

Die Zahlen gab die Innenverwaltung nach einer parlamentarischen Anfrage der FDP bekannt. Die Behörden glauben, dass die Dunkelziffer weitaus höher liegt. In der Antwort heißt es:  „Die Forschung belegt, dass jede dritte Frau in Deutschland mindestens einmal in ihrem Leben von physischer und/oder sexualisierter Gewalt betroffen ist und etwa jede vierte Frau mindestens einmal körperliche oder sexuelle Gewalt durch einen Partner oder Ex-Partner erlebt. Häusliche Gewalt ist noch immer gesellschaftlich tabuisiert und viele Betroffene wenden sich nicht an die Polizei. Ihre Beweggründe sind komplex, u.a. spielen Scham sowie Angst vor Stigmatisierung und einer weiteren Eskalation der Gewalt eine Rolle. Dabei ist noch nicht berücksichtigt, dass nicht nur Frauen und Mädchen von häuslicher Gewalt betroffen sind.“

Maren Jasper-Winter von der FDP stellte die Anfrage beim Senat und erhielt das Dokument zurück. Sie hat Forderungen an die Berliner Regierung. Der Berliner Zeitung sagte Jasper-Winter: „Der rot-grün-rote Senat muss endlich handeln und Schutzräume für Opfer von häuslicher Gewalt schaffen. Der Senat muss dafür sorgen, dass bereits tätige Polizeibeamtinnen und Polizeibeamte, Richterinnen und Richter, Staatsanwältinnen und Staatsanwälte, sowie medizinisches Personal  Schulungen und Weiterbildungen bekommen, um auf häusliche oder sexualisierte Gewalt sensibilisiert zu sein.“