MünchenDer Drogenskandal bei der Polizei in der bayerischen Landeshauptstadt hat sich erneut ausgeweitet. Inzwischen ermittle die sogenannte Soko Nightlife gegen 30 Beschuldigte, teilte das Landeskriminalamt mit. Dies sind neun Beschuldigte mehr als noch im September.

Demnach gibt es neben dem Ermittlungsschwerpunkt zu Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz gegen einzelne Beschuldigte auch Vorwürfe auf den Verdacht der Strafvereitelung im Amt, der Verfolgung Unschuldiger, der Körperverletzung im Amt oder des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen. Letzterer Vorwurf beziehe sich auf die Inhalte von Chatnachrichten, die bei drei Polizisten gefunden worden seien.

Drogendealer soll Polizei versorgt haben

Mehr als 20 Polizisten ermitteln in der Sonderkommission gegen ihre Kollegen. Die ausgeweiteten Vorwürfe ergaben sich demnach aus bisher dreieinhalb Millionen ausgewerteten Chatnachrichten, mehr als drei Millionen Bildern und über 75.000 Videodateien. 26 der Tatverdächtigen sind Polizisten des Münchner Polizeipräsidiums, zwei zählen zur bayerischen Bereitschaftspolizei sowie je ein Tatverdächtiger zu den Polizeipräsidien Oberbayern Nord und Schwaben Nord.

Ausgangspunkt der seit Februar laufenden Ermittlungen war ein Verfahren gegen einen in einer Münchner Diskothek aktiven Drogendealer, der zwei Polizisten beschuldigt hatte. Er soll in München im großen Stil Kokain verbreitet und dabei auch Polizisten versorgt haben. In dem Komplex gibt es auch Ermittlungen gegen andere Beschuldigte wie Drogenhändler und Verkäufer von Dopingmitteln.