Olympia-Attentat: Terrorist bekam 2000 Dollar für ARD-Interview

In der ARD-Dokumentation kommt auch ein bis heute unbehelligter Täter zu Wort. Er bereue nichts. Für seinen Auftritt soll er gut bezahlt worden sein.

Auf dem Flugplatz Fürstenfeldbruck kam es zu einem gescheiterten Rettungsversuch. Alle israelischen Geiseln kamen ums Leben (Archivbild).
Auf dem Flugplatz Fürstenfeldbruck kam es zu einem gescheiterten Rettungsversuch. Alle israelischen Geiseln kamen ums Leben (Archivbild).imago/Heinz Gebhardt

Am 5. September 1972 ermordeten palästinensische Terroristen elf Mitglieder des israelischen Olympiakaders – vor den Augen der Weltöffentlichkeit und auf deutschem Boden. Anlässlich des 50. Jahrestages machten sich zahlreiche Medien an die erneute Aufarbeitung des Anschlags, so auch die ARD mit der Dokumentation „Tod und Spiele – München ’72“. Für die eindrucksvolle vierteilige Miniserie holten die öffentlich-rechtlichen Journalisten auch einen der beteiligten Täter vor die Kamera. Für das Interview soll er ein Exklusiv-Honorar von 2000 US-Dollar erhalten haben. Eine Sprecherin der ARD habe dies auf Anfrage bestätigt, teilte der Focus am Freitag mit.

Mohammed Safady, heute 69 Jahre alt, berichtet in der Dokumentation geradezu stolz von den Einzelheiten seiner Tat. „Ich hatte keine Angst“, betont er an einer Stelle. „Wenn du etwas aus Überzeugung machst, hast du keine Angst.“ Dass Safady für diese Aussagen entlohnt worden sei, mutmaßlich aus staatlichen Geldern, mache die Angehörigen der ermordeten Sportler fassungslos.

Angehörige spricht von „Medienskandal der ARD“

Ankie Spitzer, Witwe des damals ermordeten israelischen Fechttrainers André Spitzer, tritt heute als Sprecherin der Opferfamilien auf. Jahrelang kämpfte sie für ein Schuldeingeständnis der Bundesrepublik, lange ohne Erfolg. „Für mich ist es ein Medienskandal der ARD, dass Killer für ihre menschenverachtenden Aussagen mit Geld bezahlt werden“, sagte Spitzer nun dem Magazin.

„Tod und Spiele“ ist eine Koproduktion der Landesrundfunkanstalten BR, SWR und RBB sowie der Leipziger Produktionsfirma Looksfilm. Laut einer Sprecherin des RBB wurde mit den öffentlichen Sendeanstalten im Vorfeld vereinbart, dass keine Honorare an die bis heute unbehelligten Täter gezahlt werden. Der verantwortliche Produzent habe sich offenbar darüber hinweggesetzt. Inwiefern eine öffentliche Stellungnahme und die Aufarbeitung des Falls zu erwarten sind, ist noch unklar.