Berlin - Im Prozess wegen Mordes mit Kannibalismus-Verdacht ist Rechtsmediziner Michael Tsokos von der Berliner Charité zur möglichen Todesursache des verstorbenen 43-Jährigen befragt worden. Ein massiver Blutverlust habe wahrscheinlich zum Tod von Stefan T. geführt, erklärte Tsokos am Dienstag vor dem Berliner Landgericht. Das habe sich vor allem aus der Untersuchung des gefundenen Torsos ergeben.

Angeklagt ist der Lehrer Stefan R. Er soll den Monteur Stefan T. in seiner Wohnung in Pankow umgebracht haben, weil er „durch die Tötung geschlechtliche Befriedigung suchte und Teile der Leiche verspeisen wollte“, so die Anklage. Der Staatsanwalt wirft dem 42 Jahre alten Angeklagten einen Sexualmord aus niedrigen Beweggründen vor. Stefan R. habe das Opfer laut Ermittlungen nur wenige Stunden zuvor über Romeo-Planet, ein Dating-Portal für schwule Männer, kennengelernt. Die Leiche habe er zerstückelt und Teile an verschiedenen Orten in der Stadt abgelegt.

Der Monteur Stefan T. aus Lichtenberg galt wochenlang als vermisst. Das mutmaßliche Verbrechen kam ans Licht, nachdem im November 2020 Knochenteile an einem Waldstück in Pankow entdeckt worden waren.

Angeklagter Stefan R. weist Mordvorwürfe zurück

Nach mehrwöchigem Prozess hatte der Angeklagte sein Schweigen gebrochen und die Vorwürfe zurückgewiesen. Es treffe nicht zu, dass er den 43-Jährigen getötet habe, erklärte er. Nach einem Sex-Treffen habe der Mann allein im Wohnzimmer seiner Wohnung übernachtet, so Stefan R. Als er Stefan T. am Morgen gefunden habe, sei der 43-Jährige tot gewesen. In Panik sei er dann zu dem Schluss gekommen: „Die Leiche muss weg.“

In einem ersten rechtsmedizinischen Gutachten hieß es, eine Todesursache sei letztlich nicht feststellbar. Dagegen erklärte nun Tsokos, der gefundene Torso des Verstorbenen habe „außergewöhnlich blass und blutarm“ ausgesehen. „Er muss ausgeblutet sein aus einem großen Gefäß wie beispielsweise einer Halsschlagader.“ Am Schädel und am Kehlkopf seien keine Spuren von Gewalt festgestellt worden. Laut Untersuchungen habe der 43-Jährige kurz vor seinem Tod eine Droge konsumiert. Der Prozess wird am 12. November fortgesetzt.