Neuruppin - Im Prozess um die Massentötungen von Häftlingen und sowjetischen Kriegsgefangenen im Konzentrationslager Sachsenhausen hat der Verteidiger eine Erklärung des Angeklagten angekündigt. Der 101-Jährige werde sich beim nächsten Prozesstag am Donnerstag auch zu seiner Tätigkeit in der Zeit während des Zweiten Weltkriegs erklären, in der er laut Anklage als Wachmann der SS in dem KZ eingesetzt gewesen sein soll, teilte Verteidiger Stefan Waterkamp am Samstag der Deutschen Presse-Agentur mit.

Laut Anklage soll Josef S. als SS-Wachmann in dem KZ von 1942 bis 1945 Beihilfe zum Mord an Tausenden Häftlingen geleistet haben - in mindestens 3518 Fällen.

Bislang hat der Angeklagte die KZ-Tätigkeit stets bestritten

Der Angeklagte hatte aber in dem seit Anfang Oktober laufenden Prozess mehrfach bestritten, in dem KZ tätig gewesen zu sein. Auf Anraten seines Anwalts hat er sich ansonsten zu seiner Tätigkeit während des Zweiten Weltkriegs bislang nicht geäußert.

Der Vorsitzende Richter Udo Lechtermann, Nebenkläger-Anwalt Thomas Walther und Überlebende des KZ als Nebenklager hatten den Angeklagten mehrfach aufgefordert, sich zu seiner damaligen Tätigkeit zu bekennen. Laut Lechtermann soll der 101-Jährige schon einmal angegeben haben, er habe zu der fraglichen Zeit in der litauischen Armee gedient. Dann solle er dazu auch nachprüfbare Einzelheiten schildern. Sollte er aber als SS-Wachmann im KZ gedient haben, solle er dies einräumen, hatte der Richter gefordert.

Der Prozess vor dem Landgericht Neuruppin findet aus organisatorischen Gründen in einer Sporthalle in Brandenburg/Havel statt. Bislang sind Termine bis in den Januar anberaumt.

Im KZ Sachsenhausen waren zwischen 1936 und 1945 nach Angaben der dortigen Gedenkstätte mehr als 200.000 Menschen inhaftiert. Zehntausende Häftlinge kamen dort durch Hunger, Krankheiten, Zwangsarbeit, medizinische Versuche und Misshandlungen um oder wurden Opfer systematischer Vernichtungsaktionen.