Yangon - Bei der gewaltsamen Niederschlagung der Proteste gegen die Militärjunta in Myanmar sind nach Angaben von Aktivisten bereits mehr als 500 Menschen getötet worden. Die örtliche Hilfsorganisation für politische Gefangene (AAPP) teilte am Dienstag mit, sie könne den Tod von 510 Zivilisten bestätigen, die tatsächliche Opferzahl sei aber vermutlich erheblich höher. Derweil drohten bewaffnete Rebellengruppen der Junta mit Vergeltung, sollte die Gewalt gegen Demonstranten andauern.

Dorfbewohner mussten sich vor Angriffen in Sicherheit bringen

Seit dem Militärputsch vor rund acht Wochen sieht sich die Junta in Myanmar massiven Protesten gegenüber, gegen die sie äußerst brutal mit Tränengas, Gummigeschossen und scharfer Munition vorgeht. Trotz der anhaltenden Gewalt gingen auch am Dienstag Demonstranten auf die Straße, um eine Rückkehr zur Demokratie und die Freilassung der entmachteten De-facto-Regierungschefin Aung San Suu Kyi zu fordern.

Etwa 7000 Dorfbewohner hätten ihre Häuser verlassen müssen, um sich vor den Angriffen in Sicherheit zu bringen. „Als ich bemerkte, was passierte, schlug ein Geschoss in das Dach meines Hauses ein“, berichtete ein Anwohner gegenüber der Nachrichtenagentur AFP. „Ich habe Angst, weil ich nicht rennen kann, ich kann mich nicht bewegen“, sagte ein anderer.

UN-Sicherheitsrat beschäftigt sich Mittwoch mit Myanmar

Drei der zahlreichen bewaffneten Rebellengruppen im Land verurteilten die Zunahme der Gewalt und kündigten an, an der Seite der Demonstranten zu kämpfen, sollte das Militär sein gewaltsames Vorgehen nicht beenden. In einer gemeinsamen Erklärung drohten die Ta'ang National Liberation Army, die Myanmar Nationalities Democratic Alliance Army und die Arakan Army der Junta mit Vergeltung. Der Internationale Verband der Menschenrechtsligen (FIDH) warnte, dass die Situation in einen Bürgerkrieg ausarten könne, wenn sich bewaffnete Gruppen am Widerstand beteiligen.

Das Auswärtige Amt rief deutsche Staatsbürger am Dienstag auf, Myanmar zu verlassen, so lange „kommerzielle Flüge noch verfügbar und buchbar sind“. Es müsse mit Verzögerungen bei der Flugbuchung sowie kurzfristigen Stornierungen oder Verschiebungen gerechnet werden. Das Außenministerium riet deutschen Staatsangehörigen in Myanmar auch, sich an die von der Junta verhängten Ausgangssperren zu halten.

Der UN-Sicherheitsrat will sich sich am Mittwoch mit der jüngsten Gewalt gegen Demonstranten bin Myanmar befassen. Die Sitzung hinter verschlossenen Türen finde auf Antrag Großbritanniens statt, verlautete aus Diplomatenkreisen in New York. Dabei werde zu Beginn ein Bericht zur Lage in dem südostasiatischen Land von der UN-Sondergesandten Christine Schraner Burgener erwartet.