Cambridge - Ein etwa 25.000 Lichtjahre entfernter Stern in der Zentralregion unserer Milchstraße zeigt ein seltsames Verhalten: Im Verlauf etwa eines halben Jahres nahm seine Helligkeit um 97 Prozent ab, bevor er sich langsam wieder aufhellte. Das berichtet jetzt ein internationales Forscherteam nach der Auswertung von Daten eines Projekts, das ein Jahrzehnt lang die Helligkeit von einer Milliarde Sterne überwachte. Ähnliche Helligkeitsabnahmen zeigen auch weitere Sterne – aber was diese Verdunklung verursacht, sei bislang unklar, so die Wissenschaftler im Fachblatt Monthly Notices of the Royal Astronomical Society.

„Es ist sehr unwahrscheinlich, dass es sich um zufällige Verdunklungen durch Objekte weit im Vordergrund handelt“, erläutern Leigh Smith von der University of Cambridge in Großbritannien und seine Kollegen. Denn eine statistische Analyse zeige, dass es eine immens große Zahl bislang unbekannter dunkler Objekte in der Galaxis geben müsse, um die beobachteten Verdunklungen zu erklären. Und das wäre nicht im Einklang mit anderen astronomischen Beobachtungen in der Milchstraße. Die Forscher gehen daher davon aus, dass sich die unbekannten dunklen Objekte in Umlaufbahnen um die Sterne befinden.

„Wir wissen wirklich nicht, warum diese Sterne blinken“

Mit einem speziellen Teleskop an der Europäischen Südsternwarte ESO in Chile überwachen Astronomen seit zehn Jahren regelmäßig die Helligkeit von etwa einer Milliarde Sternen in der Zentralregion der Galaxis. „Ab und an stoßen wir dabei auf veränderliche Sterne, die nicht auf Anhieb in bekannte Kategorien passen“, sagt einer der Projektleiter, Philip Lucas von der University of Hertfordshire in Großbritannien. In den meisten Fällen finden die Astronomen eine Erklärung für diese Objekte – nicht so im Fall von VVV-WIT-08 und zwei weiteren Sternen mit ähnlichen, lang andauernden Verdunklungen. „Wir wissen wirklich nicht, warum diese Sterne blinken“, so der Forscher.

Einen Hinweis könnte der Stern Epsilon Aurigae geben, der alle 27 Jahre durch eine große Staubscheibe abgedunkelt wird – allerdings nur um etwa 50 Prozent. VVV-WIT-08 ist mit seiner Helligkeitsabnahme um 97 Prozent weitaus extremer, und bislang ist unklar, ob und nach welcher Zeit sich das Ereignis wiederholt. Auf Basis der Beobachtungsdaten schätzen die Forscher, dass das rätselhafte dunkle Objekt bei VVV-WIT-08 mindestens hundertmal größer ist als unsere Sonne. Und es muss nahezu vollkommen undurchsichtig sein.

Eine neue Art von Doppelsternen?

Smith und seine Kollegen spekulieren, dass es sich bei VVV-WIT-08 und ähnlichen Sternen um eine neue Art von Doppelsternen handelt, bei denen einer der Sterne in eine große, undurchsichtige Staubscheibe eingehüllt ist. Allerdings gibt es bislang keine astrophysikalisch plausible Erklärung für solche Staubscheiben – sie sind entweder zu klein oder zu durchsichtig. Die Forscher hoffen, dass die Überwachung der Sternhelligkeiten weitere Objekte dieser Art zeigt – und sie dann durch weitere Beobachtungen dieser Sterne der Ursache der Verdunklung auf die Spur kommen.