Wien/Havanna - Die USA untersuchen Berichte über mysteriöse gesundheitliche Beschwerden von US-Diplomaten in Wien. „Was Wien betrifft, so gehen wir in Abstimmung mit unseren behördenübergreifenden Partnern Berichten über mögliche unerklärliche Gesundheitsvorfälle in der dortigen Gemeinschaft der US-Botschaft energisch nach“, sagte der Sprecher des US-Außenministeriums, Ned Price, am Montag. Das gelte selbstverständlich auch für andere Orte, an denen diese Beschwerden auftreten würden.

Die Zeitschrift The New Yorker hatte zuletzt berichtet, dass etwa zwei Dutzend US-Geheimdienstmitarbeiter, Diplomaten und andere Regierungsbeamte in Wien mysteriöse Beschwerden geschildert hätten. Diese würden den Beschwerden des sogenannten Havanna-Syndroms ähneln.

Dutzende in der kubanischen Hauptstadt Havanna lebende Diplomaten und ihre Angehörige hatten ab 2016 über rätselhafte Kopfschmerzen, Hörverlust, Schwindel und Übelkeit geklagt. Auch an anderen Orten der Welt wurden ähnliche Beschwerden gemeldet. Inzwischen werden fast 130 Vorkommnisse in verschiedenen Staaten und Bereichen der Regierung untersucht.

Havanna-Syndrom: Spekulationen über Pestizide und Radiowellen

Wissenschaftler und Regierungsbeamte sind sich noch nicht sicher, was wirklich vor sich geht: Sind es gezielte Angriffe, und wenn ja, von wem? Oder sind Symptome unbeabsichtigt durch Überwachungsgeräte verursacht worden? Auf jeden Fall hat die Regierung versichert, dass sie die Angelegenheit ernst nehme, intensive Untersuchungen im Gange seien und für gute medizinische Betreuung der Betroffenen gesorgt werde.

Im Jahr 2019 schrieben Forscher, dass die Beschwerden möglicherweise auf Pestizide zurückgehen. Die genaue Ursache ist aber unklar. Man wisse nicht, ob es sich bei diesen Vorfällen um eine Art Angriff handele oder was dahinterstecke, sagte die Sprecherin des Weißen Hauses, Jen Psaki, am Montag.

Wurden Mitarbeiter des US-Geheimdienst mit Energiewellen attackiert?

Der Neurologie-Professor James Giordano untersuchte die Fälle in Havanna und andere jüngere Vorkommnisse und fand bei mehreren Betroffenen Hinweise auf Nerven-Verletzungen, was auf Radiowellen als Verursacher hindeuten könnte. Nach seinen Erkenntnissen könnte ein Gerät gezielt eingesetzt worden sein oder ein Instrument, das Energiewellen zur Überwachung benutzt, die Menschen unbeabsichtigt verletzt haben. Der Vorfall im November nahe dem Weißen Haus habe erhebliche Ähnlichkeiten mit den Havanna-Fällen.

Andere Wissenschaftler sind skeptisch. Robert Baloh von der University of California glaubt, dass die wachsende Zahl von gemeldeten Fällen psychisch bedingt sei, das heißt, dass Menschen, die von Symptomen bei anderen gehört hätten, anfingen, sich selbst krank zu fühlen. „Viele Leute hören davon, und so verbreitet es sich.“