Als Felix Magath und die Spieler von Hertha BSC schon in der Kabine waren, feierten die Spieler von Arminia Bielefeld noch lange mit ihren Fans vor der Kurve. Obwohl die Hertha deutlich besser und die Arminia weiter mit dem Rücken zum Wand steht, wirkten die Ostwestfalen nach dem Keller-Duell wie der Sieger. Das 1:1 (0:0) durch Joakim Nilsson in der Nachspielzeit sorgte für diesen kuriosen Gefühlsmix, nachdem die Berliner sich nach dem Treffer von Lucas Tousart (55.) 40 Minuten lang gerettet gefühlt hatten - und die Bielefelder im selben Zeitraum wie ein Absteiger.

Obwohl ihm die vorzeitige Rettung durch Stuttgarts Ausgleich im Parallelspiel gegen Wolfsburg und den Gegentreffer in wenigen Sekunden aus der Hand geglitten war, gab sich Magath nach dem Spiel betont gelassen. „Jetzt geht's halt nochmal zwei Spiele weiter“, sagte der 68-Jährige. Und er erlaubte sich wohl eher einen Spaß, als er sagte: „Als ich diesen Job übernommen habe, war ich sicher, dass wir in der Relegation gegen den HSV spielen. Darauf arbeite ich nicht hin. Aber es würde mich auch nicht überraschen, wenn es zu dieser Konstellation käme.“

Magaths Herzensclub aus Hamburg belegte zu diesem Zeitpunkt zwar den Relegationsplatz in der 2. Liga, doch für die Berliner müsste schon viel schlecht laufen, wenn sie noch auf Rang 16 abrutschen würden. Auf die Stuttgarter hat die Hertha bei zwei ausstehenden Spielen noch vier Zähler Vorsprung.

Kevin Prince Boateng: „Es hat sich nix verändert

„Es hat sich nix verändert“, sagte deshalb Routinier Kevin Prince Boateng: „Wir haben jetzt ein Heimspiel, in dem wir den Sack zumachen können.“ Im Falle eines Sieges gegen Mainz nächste Woche müssen die Berliner jedenfalls nicht auf andere Plätze schauen. Für Boateng ein Verdienst von Magath. Als dieser Mitte März kam, „hätten wir nicht gedacht, dass wir es zu diesem Zeitpunkt selbst in der Hand haben“.

Auch bei der Arminia lobte ein Routinier den neuen Trainer. Gonzalo Castro, rund vier Monate jünger als Boateng schwärmte nämlich von Marco Kostmann, der gegen die Hertha erst zum zweiten Mal als Cheftrainer auf der Bank saß. „Er hat einen neuen Impuls gegeben“, sagte der Ex-Nationalspieler (34): „Die Jungs glauben wieder an sich. Er nimmt mit seinem Papa-Sein sehr viel Druck von ihnen.“

Magath greift schwachen FC Bayern an - Nagelsmann reagiert sofort

Magath blickte zudem nach dem schwachen Auftritt des FC Bayern beim FSV Mainz mit Sorge auf die Folgen für den Abstiegskampf in der Fußball-Bundesliga. „Der FC Bayern ist zwar schon Meister, aber ich weiß nicht, warum eine Mannschaft das Spielen drei Wochen vor dem Saisonende schon einstellt. Das dient nicht der Bundesliga“, sagte Magath nach dem 1:1 seiner Berliner bei Arminia Bielefeld bei Sky. Die Bayern, die in Mainz mit 1:3 verloren hatten, spielen am kommenden Sonntag gegen den VfB Stuttgart - einen der Konkurrenten der Hertha im Tabellenkeller.

Er habe das „Spiel der Bayern nicht gesehen und kenne nur das Ergebnis aus Mainz“, sagte der 68-Jährige, der mit den Bayern einst zweimal das Double gewonnen hatte. Die Berliner spielen am Samstag gegen Mainz, mit einem Sieg wäre die Hertha in jedem Fall gerettet.

Bayern-Trainer Julian Nagelsmann reagierte auf Magaths Aussagen noch am Samstag. „Sehr clever von ihm, das wird er nicht ganz uneigennützig machen, schätze ich“, sagte der 34-Jährige nach dem Spiel in Mainz. „Aber er soll sich das Spiel anschauen, und dann kann er bei mir anrufen. Ich spreche jetzt auch nicht über die Leistung von Hertha.“