Lesbos - In Griechenland müssen sich drei Grenzschutzbeamte und ein Polizist vor Gericht verantworten, weil sie Flüchtlinge auf der Insel Lesbos misshandelt haben sollen. Gegen die vier Männer werde wegen Körperverletzung, Folter und Verstößen gegen Antirassismus-Gesetze ermittelt, hieß es aus Polizeikreisen. Bis Prozessbeginn bleiben die Tatverdächtigen demnach frei.

Anlass für das Verfahren soll ein Video gewesen sein, das in sozialen Netzwerken verbreitet wurde. Auf der Aufnahme von Freitag sind vier Männer zu sehen, die zwei Flüchtlinge in einem Zeltlager schlagen. Auch nach dem Anlegen von Handschellen schlagen die Beamten weiter auf die Flüchtlinge ein. Der Vorfall soll sich ereignet haben, nachdem die Bewohner des Lagers in einem Supermarkt waren.

Wie es aus Polizeikreisen hieß, gaben die Beamten an, die zwei Flüchtlinge geschlagen zu haben, weil diese im betrunkenen Zustand vorbeifahrende Autos attackiert hätten. Im September war das bis dahin größte Flüchtlingslager Moria auf Lesbos abgebrannt. Daraufhin wurde ein provisorisches Zeltlager auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz Kara Tepe errichtet. Aktuell leben dort 7300 Menschen unter Menschenrechtsorganisationen zufolge katastrophalen Bedingungen.