Nach Angriffen: Massive Stromausfälle in der Ukraine

Kiews Stromversorger DTEK meldet nach großflächigen Angriffen erhebliche Unterbrechungen der Versorgung. Russland hat mutmaßlich das Energienetz im Visier.

Rettungskräfte sind nach einem russischen Drohnenangriff im Stadtzentrum von Kiew im Einsatz.
Rettungskräfte sind nach einem russischen Drohnenangriff im Stadtzentrum von Kiew im Einsatz.dpa/Ukrinform

Nach russischen Angriffen auf Energie-Infrastruktur in der Ukraine ist in mehreren Regionen der Strom ausgefallen. So gab es in Teilen der Hauptstadt Kiew „Unterbrechungen“ in der Strom- und Wasserversorgung, wie der örtliche Stromversorger DTEK mitteilte. Auch Bürgermeister Vitali Klitschko informierte auf Telegram und rief alle Bewohner auf, Elektrizität zu sparen und Trinkwasservorräte anzulegen. Auch mehrere Ortschaften in der westlich von Kiew gelegenen Region Schytomyr sowie Teile der Stadt Dnipro in der zentralöstlichen Ukraine waren ohne Strom.

„Die Ingenieure bringen alle notwendigen Anstrengungen auf, um die Versorgung wieder herzustellen“, erklärte DTEK im Onlinedienst Facebook. In der südukrainischen Stadt Mykolaljiw war die Stromversorgung nach Angriffen in der Nacht unterdessen wieder hergestellt.

Zuvor hatte es eine schwere Explosion auf der Krim-Brücke gegeben, die Russland und die von Moskau annektierte Schwarzmeer-Halbinsel miteinander verbindet. Putin macht dafür den ukrainischen Geheimdienst SBU verantwortlich. Außerdem meldete Russland 13 Tote nach dem Absturz eines russischen Militärflugzeuges nahe der Ukraine.

London: Russland greift nach Rückschlägen Infrastruktur an

Bereits seit vergangener Woche überzieht Russland das Nachbarland mit großflächigen Raketen- und Drohnenangriffen. „Seit dem 10. Oktober sind 30 Prozent der ukrainischen Kraftwerke zerstört worden, was zu massiven Stromausfällen im ganzen Land führt“, schrieb Wolodymyr Selenskyj am Dienstag auf Twitter.

Britische Militärexperten gehen davon aus, dass die russischen Angriffe höchstwahrscheinlich gezielt auf das Energienetz des Landes gerichtet sind. Russland habe seit dem 10. Oktober ein hohes Maß an Langstrecken-Schlägen auf Ziele in verschiedenen Teilen der Ukraine aufrechterhalten. „Es ist höchstwahrscheinlich ein zentrales Ziel dieser Aktion, weitreichenden Schaden am Energienetz der Ukraine anzurichten“, hieß es am Dienstag in einem Bericht der Geheimdienste, den das Verteidigungsministerium verbreitete.

Die britischen Experten sehen seit den Rückschlägen Moskaus auf dem Schlachtfeld im Sommer eine höhere Bereitschaft, neben militärischen Zielen auch zivile Infrastruktur in der Ukraine anzugreifen.

Drohnenangriffe: Junge Familie stirbt in Kiew

Kiew wurde am Montag nach ukrainischen Angaben von der russischen Armee auch mit iranischen Kamikaze-Drohnen angegriffen. Dabei gab es bei dem Beschuss eines Wohnhauses in der Hauptstadt nach Angaben von Staatschef Wolodymyr Selenskyj vier Tote, darunter eine junge Familie, die ein Kind erwartet habe. Eine Woche zuvor hatte die russische Armee erstmals seit Langem wieder schwere Raketenangriffe auf Kiew verübt.