Köln/Berlin -  Nach dem Anschlag auf UN-Kräfte in Mali sind die ersten der zwölf verletzten Bundeswehr-Soldaten in Deutschland gelandet. Dies teilte Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) am Samstag im Kurzbotschaftendienst Twitter mit. Ihr Zustand sei stabil, und sie würden nun im Bundeswehrkrankenhaus Koblenz versorgt. Die restlichen Soldaten sollen mit einer zweiten Maschine folgen.

Das medizinische Transportflugzeug des Typs Airbus A400M der Luftwaffe mit drei Schwerverletzten landete am Nachmittag nach fünf Stunden und 45 Minuten Flugzeit am Flughafen Köln-Wahn. Die Maschine war am Morgen zur Abholung der Soldaten im malischen Gao gelandet.

Die noch vor Ort verbliebenen verletzten Soldaten sollen mit einem zweiten Flugzeug ebenfalls zeitnah zur weiteren medizinischen Behandlung nach Deutschland geflogen werden.

Drei weitere UN-Soldaten bei Anschlag in Mali verletzt

Die Soldaten waren am Freitag rund 180 Kilometer nordöstlich von Gao bei einem Selbstmordanschlag verletzt worden. Neben den zwölf verletzten Deutschen seien noch drei weitere UN-Soldaten verletzt worden, erfuhr die Nachrichtenagentur AFP aus UN-Kreisen. Nach Angaben des belgischen Verteidigungsministeriums ist ein belgischer Soldat unter den Verletzten.

Zu den Hintergründen des Anschlags und möglichen Konsequenzen für den deutschen Einsatz wollte sich Kramp-Karrenbauer zunächst nicht äußern. „Der heutige hinterhältige Anschlag unterstreicht einmal mehr, wie wichtig es ist, dass wir uns den Terroristen entgegenstellen“, erklärte hingegen Außenminister Heiko Maas (SPD) am Freitag. „Mali und der Sahel müssen vom Fluch des Terrorismus befreit werden.“

Steinmeier: „Hinterhältiger Selbstmordanschlag“

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier sprach von einem „hinterhältigen Selbstmordanschlag“, der ihn „erschüttert“ habe. „Mein und unser aller Dank gilt den Soldatinnen und Soldaten für ihren gefährlichen Einsatz, bei dem sie jeden Tag in Erfüllung ihrer Pflichten Leib und Leben riskieren.“

Die deutschen Soldaten sind Teil eines Kontingents des Blauhelm-Einsatzes Minusma. Deutschland beteiligt sich mit bis zu 1700 Bundeswehrsoldaten an Ausbildungs- und Stabilisierungsmissionen der EU und der UNO in Mali.

Die mit rund 13.000 Soldaten besetzte Minusma-Mission – davon bis zu 1100 Bundeswehrsoldaten – ist ebenso wie die malischen und französischen Streitkräfte regelmäßig Ziel von Angriffen. Es ist die tödlichste UN-Mission der Welt.

Bei einem weiteren Angriff waren am Freitag im Zentrum des westafrikanischen Krisenlandes sechs malische Soldaten getötet worden. Der Anschlag ereignete sich nach Armeeangaben auf einem militärischen Außenposten im Dorf Boni.

Lage in Mali laut Beobachtern „besorgniserregend“

Die politische Situation in Mali ist seit 2012 von zunehmender Instabilität geprägt. Die meist islamistisch motivierte Gewalt hat in den vergangenen Jahren auch die benachbarten Länder in der Sahel-Zone erreicht. Tausende Soldaten und Zivilisten wurden in der Krisenregion getötet, Hunderttausende mussten aus ihrer Heimat fliehen. Die Lage in dem Land gilt unter Beobachtern als „besorgniserregend“.

Dschihadisten und regionale Milizen machen sich eine mangelnde Präsenz des Staates zu nutze. Es wird befürchtet, dass sie sich weiter in rechtsfreien Räumen ausbreiten - vor allem nachdem es in Mali im Mai den zweiten Umsturz der Regierung binnen eines Jahres gegeben hatte.