Im Stadion gibt's Tofu-Burger statt Bratwurst. Der Rasen wird von einem solarbetriebenen Mähroboter gepflegt. Alle Spieler fahren Elektroautos und ernähren sich vegan. Selbst die CO2-Bilanz bei Anreisen von Auswärtsspielen soll komplett auf null gesetzt werden - und beim Bau des Stadion wollen die grünen Kicker der Forest Green Rovers ganz neue Wege gehen. Denn der erste klimaneutrale Verein der Welt ist einfach anders als alle anderen Fußballklubs. Jetzt schaffte die Mannschaft den Aufstieg in die 3. Liga und spielt in den kommenden Saison gegen Wayne Rooney.

Die Mission von Dale Vince, einem britischen Industriellen, der sich der „grünen Energie“ verschrieben hat, ist noch längst nicht abgeschlossen. Sein Herzensprojekt, die Forest Green Rovers, hat der reiche Klubeigentümer bereits zum grünsten Klub der Welt geformt und in Englands 3. Liga geführt - doch Vince will mehr.

„Erstmal den Klassenerhalt sichern, dann weiter aufsteigen - und irgendwann um die Meisterschaft spielen“, gab der Energie-Unternehmer ein mehr als ambitioniertes Ziel aus. Doch der Aufstieg sei laut Vince bereits „ein großer Schritt“ für seinen besonderen Fußball-Klub, mit dem er vor allem neben dem Platz schon vieles erreicht hat.

Größter Moment der Vereinsgeschichte mit veganer Pizza gefeiert

Denn die Forest Green Rovers setzen voll und erfolgreich auf Nachhaltigkeit. 2018 zeichneten die Vereinten Nationen die Rovers als ersten klimaneutralen Verein der Welt aus, der Klub ist komplett vegan. Die Trikots bestehen aus Kaffeeresten, der Energiebedarf wird vollständig aus erneuerbaren Quellen gedeckt.

Der größte Moment der Vereinsgeschichte, der Aufstieg in die League One, wurde in der Kabine mit veganer Pizza gefeiert, die Spieler fahren selbstverständlich E-Autos. „Ich habe noch nie einen Verein gesehen, in dem alle so in die gleiche Richtung ziehen wie wir“, sagt Innenverteidiger Dan Sweeney. Solar-betriebene Mähroboter, veganes Stadionessen, ein mit Ökostrom laufender Linienmarkierer und Seetang-Dünger aus Schottland – der Klub aus dem Westen Englands achtet penibel auf seinen ökologischen Fußabdruck.

Noch nie stand ein kleinerer Klub unter den besten 68 Teams Englands, in der kommenden Saison misst sich die Mannschaft von Teammanager Rob Edwards unter anderem mit dem ehemaligen Premier-League-Klub Derby County um Coach Wayne Rooney. Der Aufstieg sei „der stolzeste Moment“ seiner Karriere gewesen, sagte Edwards, der sich mit den Rovers am Samstag noch den Meistertitel in der League Two sichern kann.

„Am Ende des Tages versuchen wir die Welt zu retten“

Der Klub aus dem kleinen Städtchen Nailsworth, etwa 180 Kilometer westlich von London gelegen, mauserte sich nach der Übernahme von Vince im Jahr 2010 von der Bedeutungslosigkeit in der fünften Liga zum Drittligisten - und verlor die eigene Mission dabei nie aus den Augen. „Hier ist es komplett anders als bei anderen Vereinen. Am Ende des Tages versuchen wir die Welt zu retten“, sagte der ehemalige Angreifer Christian Doidge einst.

Dabei haben die Rovers einen langen Weg der Akzeptanz hinter sich. Vor allem die Gästefans kamen mit dem ausschließlich veganen Stadionmenü nicht immer zurecht, statt Bratwurst gibt es bei den Rovers Tofu und Veggie-Burger. Und diese sollen bald im neuen Stadion serviert werden. Der „Green Eco Park“ ist das nächste große Projekt der Rovers, ein Stadion komplett aus Holz - es soll das umweltfreundlichste der Welt werden.

Fehlt nur noch ein Puzzlestück für die Rovers, um die eigene CO2-Bilanz komplett auf null zu bringen: die klimaneutrale Anreise zu den Auswärtsspielen. Bisher hatte der Klub immer einen Elektro-Bus gemietet, ein eigener Elektro-Minibus wurde nun angeschafft. „Er wird uns helfen“, sagte Vince, „auch die letzten fossilen Brennstoffe aus dem Klub zu verbannen.“