Cagliari - Das deutsche Hilfsschiff „Alan Kurdi“ darf nach rund sechs Monaten Blockade in Italien wieder vorläufig in See stechen, wie die Betreiberorganisation Sea-Eye am Sonntag mitteilte. Ein Gericht auf der Insel Sardinien habe in einer Eilentscheidung festgelegt, dass die „Alan Kurdi“ nicht länger von den Behörden festgehalten werden dürfe, sondern zu Wartungen nach Spanien fahren dürfe. „Das ist ein Zwischenerfolg, das Verfahren ist damit noch nicht beendet“, erläuterte Gorden Isler von Sea-Eye.

Die Organisation war gegen die Festsetzung des Rettungsschiffs durch die italienische Küstenwache vom 9. Oktober 2020 vorgegangen. Nach einer Anhörung vom Mittwoch habe das Verwaltungsgericht in Cagliari am Freitag den Beschluss gefasst, hieß es. Der Verhandlungstermin in der Hauptsache, wo über die Rechtmäßigkeit der Festsetzung entschieden wird, wurde laut Sea-Eye auf den 3. November 2021 gelegt.

Festsetzung war für Sea-Eye auch finanzielle Belastung

Die Küstenwache hatte die „Alan Kurdi“ nach mehreren Einsätzen zur Rettung von Bootsmigranten in Olbia auf Sardinien gestoppt. Sea-Eye interpretiert dies als Teil einer Strategie der italienischen Behörden. Diese wollten die zivile Seenotrettung von Migranten im Mittelmeer ausbremsen, so die Organisation mit Sitz in Regensburg in Bayern. Die Festsetzung bedeute für Sea-Eye auch eine hohe finanzielle Belastung, da es weiter eine Besatzung auf dem Schiff geben müsse. Wann genau die „Alan Kurdi“ Richtung Spanien auslaufen werde, sei noch nicht sicher, sagte Isler. Die Sea-Eye veröffentlichte zu dem Vorgehen einen Bericht auf Twitter.

Italien hat schon mehrfach verschiedene private Schiffe in Häfen kontrolliert und wegen angeblicher Sicherheitsmängel länger gestoppt. Darunter waren auch Seenotrettungsschiffe wie die „Sea-Watch 3“.