Berlin - Nachdem wegen eines Corona-Ausbruchs bei Hertha BSC drei Spiele abgesetzt werden mussten, überlegt die Deutsche Fußball Liga (DFL), wie sich die Saison an den verbleibenden fünf Spieltagen bis Ende Mai ohne allzu großes Risiko beenden lässt. Nach Informationen des Sport-Informations-Dienstes (SID) wird sich das DFL-Präsidium in der kommenden Woche noch einmal mit dem Thema befassen und sich dann vermutlich für Quarantäne-Trainingslager entscheiden.

Laut Urs Fischer, Trainer von Union Berlin, wird sein Klub bereits vor den kommenden beiden Spielen bei Borussia Dortmund (21. April) und gegen Werder Bremen (24. April) aus eigener Initiative in Hotel-Quarantäne gehen. „Es bleibt uns nichts anderes übrig, als weiterhin die Konzepte bestmöglich umzusetzen“, sagte er.

Die wahrscheinlichste Variante auf DFL-Ebene ist ein Beschluss für die letzten zwei oder drei Spieltage. Einen Saisonabbruch dagegen schloss DFL-Chef Christian Seifert zuletzt aus. 

Auch für den SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach wäre ein vorzeitiges Ende keine Lösung. „Ich weiß nicht, ob ein Saisonabbruch hier wirklich noch sinnvoll ist“, sagte Lauterbach dem SID. Er lobte die Hygienekonzepte der DFL, die gegen die britische Mutante aber auch nicht mehr im vollen Umfang schützten.

Die Spieler müssten sich des „Restrisikos“ bewusst sein. „Das ist tatsächlich der Preis, der gezahlt werden muss, wenn man die Liga zu Ende spielen will. Die Konzepte der DFL sind wirklich gut“. Aber die britische Mutante sei „halt sehr ansteckend.“

Lauterbach sieht ein Bubble-Konzept für die Liga nicht ohne Risiko. „Denn wenn es dann dort zu einer Infektionskette kommt, sind auch sehr viele gleichzeitig betroffen“, sagte der 58-Jährige: „Von daher würde ich fast mit dem jetzigen Konzept weitermachen. Es sei denn, die Fallzahlen in der Bevölkerung steigen insgesamt sehr stark. Dann wird es auch für die Fußballer schwieriger.“

Wie schwierig es jetzt schon sein kann, zeigte der Fall Hertha BSC. Im Aktuellen Sportstudio des ZDF sagte Hertha-Sportdirektor Arne Friedrich, er stünde einem Quarantäne-Trainingslager offen gegenüber, wenn es nötig sein sollte: „Das Wichtigste ist die Gesundheit der Spieler und Mitmenschen.“

Auch unter den anderen Klubs hat die zunächst verworfene Idee der Kasernierung Rückhalt. „Ich habe ja damals schon gesagt, das ist eine kluge Idee der DFL, mich hat es letztendlich überrascht, dass man es nicht gemacht hat“, sagte Trainer Heiko Herrlich vom FC Augsburg. Auch Geschäftsführer Jörg Schmadtke vom VfL Wolfsburg hatte sich zuletzt für Trainingslager stark gemacht.