Proteste in Beirut.
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BeirutWenige Tage nach der Explosionskatastrophe mit rund 150 Toten hat es in Beirut am Donnerstagabend Zusammenstöße zwischen Sicherheitskräften und aufgebrachten Demonstranten gegeben. Mehrere Menschen wurden verletzt, wie die staatliche Nachrichtenagentur NNA berichtete. Dutzende hätten versucht, die Absperrung zum Parlamentsgebäude in der libanesischen Hauptstadt zu durchbrechen. Die Demonstranten setzten dort Werbetafeln, Bretter und Müllhaufen in Brand und warfen mit Steinen auf Sicherheitskräfte. Diese setzten teilweise Tränengas ein. 

Die Demonstranten sehen die verheerenden Explosionen als Beleg für das Versagen und die Korruption der politischen Führung, die das Land heruntergewirtschaftet habe – ein Vorwurf, der in der libanesischen Bevölkerung weit verbreitet ist. „Wir können es nicht mehr ertragen. Das war’s. Das ganze System muss weg“, sagte der 30-jährige Demonstrant Mohammad Suyur laut der Nachrichtenagentur AFP.

Schon vor der Katastrophe hatte es immer wieder Demonstrationen gegen die Regierung gegeben. Der Libanon steckt in der schwersten Wirtschafts- und Währungskrise seit Jahrzehnten. Die Corona-Pandemie hat die Lage in den vergangenen Monaten noch verschärft.

Fast 150 Tote bei Explosion in Beirut

Durch die gewaltige Explosion am Dienstagabend waren große Teile der libanesischen Hauptstadt schwer beschädigt worden. Helfer suchten in den Trümmern auch in der Nacht zum Donnerstag noch nach Überlebenden. Nach Angaben der Behörden wurden bisher 149 Todesopfer geborgen. Mehr als 5000 weitere verletzt. Rund 300.000 Menschen haben ihr Zuhause verloren. Davon sind dem UN-Kinderhilfswerk Unicef zufolge schätzungsweise 80.000 Kinder.

Die Krankenhäuser in Beirut sind bereits völlig überfüllt – auch wegen der Corona-Pandemie. Am Donnerstag meldeten die libanesischen Behörden mit landesweit 255 Neuinfektionen einen Rekordanstieg.

Explodiert waren nach Behördenangaben 2750 Tonnen Ammoniumnitrat, das jahrelang ohne die nötigen Sicherheitsvorkehrungen in einer Lagerhalle am Hafen untergebracht gewesen war. Ammoniumnitrat kann für Düngemittel oder zur Herstellung von Sprengstoff verwendet werden.

Die genaue Ursache der Explosionen sind noch ungeklärt. 16 Hafen-Mitarbeiter wurden inzwischen in Gewahrsam genommen, wie die Militärstaatsanwaltschaft mitteilte. Eine von der Regierung eingesetzte Untersuchungskommission soll binnen weniger Tage die Hintergründe des Unglücks aufklären.