Bei einer Online-Auktion im März 2021 versteigerte der Influencer Fynn Kliemann 100 digitale Musikstücke. Wie Recherchen des ARD-Magazins Kontraste ergaben, soll er dabei jedoch seine eigenen Auktionsregeln gebrochen und seinen Umsatz so um mehr als 60.000 Euro gesteigert haben.

Die 100 kurzen Musikstücke der Kollektion „JingleBe“, die Kliemann und sein Produzent als NFTs über die Auktionsplattform Rarible anboten, gingen schließlich für umgerechnet rund 215.000 Euro über die digitale Ladentheke.

Vorwurf gegen Kliemann: Gebote nach Fristende zugelassen

Nach Kontraste-Recherchen habe Kliemann auch nach Ablauf des selbst festgelegten Fristendes noch Gebote zugelassen und den Verkaufswert seiner Jingles dadurch teilweise mehr als verdoppelt. Einer der Geprellten berichtet: „Mein erster Gedanke war: Ich wurde hereingelegt.“ Obwohl der NFT-Investor zum Auktionsende um 20 Uhr Höchstbietender war, ging Kliemanns Jingle schließlich an einen anderen Käufer. Beendet wurde die Versteigerung nämlich erst eine Stunde später.

Auch wenn Kliemann sich teilweise bei enttäuschten Käufern entschuldigt habe, bleibe die Haftung für die mutmaßliche Auktionsmogelei bestehen, erklärte Rechtsanwalt Pascal Decker gegenüber Kontraste. Sollten die trotz Höchstgebot leer ausgegangenen Käufer rechtlich gegen Kliemann vorgehen, bestehe Anspruch auf Schadensersatz.

Masken-Skandal, vermeintliche ZDF-Intrigen und die „woke linke Szene“

In der öffentlichen Kritik steht der Unternehmer und Influencer Kliemann bereits seit mehreren Wochen. Anfang Mai hatte das ZDF Magazin Royal mit Jan Böhmermann einen mutmaßlichen Maskenbetrug Kliemanns enthüllt. Zusammen mit Tom Illbruck, dem Gründer des Textilherstellers Global Tactics, soll dieser Masken billig in Asien in Auftrag gegeben und diese anschließend als „fair“ und „in Europa produziert“ vertrieben haben.

Kliemann selbst witterte unterdessen eine Intrige des ZDF. Ebenso wie man ihn mit öffentlich rechtlichen Geldern „groß gemacht“ habe, wolle man ihn nun auch wieder „zerstören“, beschwerte sich der 34-Jährige auf Instagram. Sein bis Juli 2020 für den NDR produziertes Projekt „Kliemannsland“ sei zudem Opfer der „woken linken Szene“ geworden.