Tel Aviv - In sozialen Netzwerken kursieren Berichte von Frauen, bei denen starke vaginale Blutungen nach einer Impfung mit einem mRNA-Vakzin aufgetreten sein sollen. Wie der RND berichtet, meldeten sich die ersten Frauen in Israel Anfang Februar zu Wort. Mehrere mit dem Impfstoff von Biontech/Pfizer Geimpfte waren dem Aufruf der ebenfalls betroffenen Anthropologin Kathryn Clancy auf Twitter gefolgt und berichteten im Laufe des Monats, dass ihre Periode früher und stärker eingesetzt habe. Zudem gaben Frauen in der Menopause an, dass bei ihnen ebenfalls vaginale Blutungen aufgetreten seien.

Eine wissenschaftliche Untersuchung dieser Angaben steht noch aus. Die bislang erfolgten Erfahrungsberichte sind nicht valide für eine Aussage über einen Zusammenhang zwischen einer Impfung mit den Vakzinen von Moderna oder Biontech/Pfizer. In den Zulassungsstudien der Impfstoff-Produzenten sind Menstruierende bislang nicht zu Schwankungen bei ihrer Periode befragt worden, heißt es beim RND.

Vaginale Blutungen als Folge einer Entzündungsreaktion im Körper? 

Clancy mutmaßt, dass es sich um eine Entzündungsreaktion im Körper durch in den mRNA-Impfstoffen enthaltene Lipid-Nanopartikel handeln könnte. Diese Partikel könnten auch möglicherweise allergische Reaktionen hervorrufen. Auch die Medizinerinnen Akshat Jain und Lior Shahar halten eine Entzündungsreaktion für denkbar. Jain sagte gegenüber ABC News, dass bei manchen Frauen auf die Impfung eine Entzündungsreaktion folgen könnte. Dies wiederum könnte einen Anstieg des Östrogen-Spiegels zur Folge haben und somit die Blutungen auslösen.

Shahar erklärt gegenüber der Zeitung Haaretz, dass Entzündungsreaktionen eine gängige Reaktion auf Impfungen sein können. Diese wiederum könnten vaginale Blutungen auslösen. Offenbar treten die Zyklusstörungen nur zeitweise auf und auch sonst seien die Frauen nicht dauerhaft gesundheitlich beeinträchtigt, schreibt der RND. Einer Studie zufolge könnte auch die Influenza-Impfung den Hormonspiegel negativ beeinflussen.

Betroffene wenden sich nur selten an einen Arzt

Einige der Frauen, die auf Twitter ihre Erfahrungen veröffentlichten, berichten auch, dass sie von Ärzten nicht ernst genommen wurden oder dass sie es nicht gewagt hätten sich an einen Arzt zu wenden. Wie die Zeitung Haaretz berichtet, wisse man zwar um das Auftreten von Blutungen im Zusammenhang mit Corona-Impfungen, das Problem werde jedoch seitens der Ärzte oft nicht angezeigt, da noch keine wissenschaftliche Untersuchung vorliege.

Clancy hat mittlerweile eine groß angelegte Internetumfrage ins Leben gerufen. So soll das Problem der Unwissenschaftlichkeit des Phänomens gelöst werden. Zweck der Umfrage sei es, die menstruellen Erfahrungen von Frauen, nachdem sie gegen Corona geimpft wurden, besser nachvollziehen zu können.