Berlin - Das Saarland hat angekündigt, die derzeit noch gültigen Corona-Beschränkungen massiv zu lockern. Nach Ostern sollen weite Teile des öffentlichen Lebens wieder hochgefahren und der harte Lockdown damit beendet werden. Das berichtet der Nachrichtensender ntv. Demnach sollen dann unter anderem die Außengastronomie, Kinos und Fitnessstudios wieder öffnen. Am Donnerstag will Ministerpräsident Tobias Hans die Öffentlichkeit offiziell über den geplanten Vorstoß informieren. Hans will das Saarland zur Modellregion erklären.

Auch die Kontaktbeschränkungen im Saarland werden laut ntv gelockert. So sollen sich wieder zehn Personen aus beliebig vielen Haushalten treffen dürfen. Voraussetzung für Besuche von Kinos, der Benutzung von Fitnessstudios oder Treffen in Biergärten sind negative Schnelltests.

Jeder neunte Einwohner im Saarland hat mindestens eine Impfdosis bekommen

Im Saarland stehen den Bürgern rund 350 Zentren zur Verfügung, dort absolvierte Tests werden laut ntv 24 Stunden anerkannt. Für die täglich mehr als 16.000 Pendler zwischen Frankreich und Deutschland steht am Grenzübergang zudem ein deutsch-französisches Testzentrum bereit. 

Das Saarland hat aktuell mit 56 eine der geringsten Sieben-Tage-Inzidenzen aller Bundesländer. Die Entwicklung ist zudem seit Tagen konstant. Außerdem hat das Land die derzeit höchste Quote an Erstimpfungen. Laut aktuellen Zahlen hat hier bereits jeder neunte Einwohner mindestens eine Impfdosis erhalten.

Präsident der Bundesärztekammer will durchdachte Lockerungen

Unterdessen ruft auch Bundesärztekammer-Präsident Klaus Reinhardt dazu auf, bei der Bekämpfung der Corona-Krise andere Wege als den eines Lockdowns zu gehen. „Der monatelange Jo-Jo-Dauerlockdown zermürbt die Menschen. Er darf nicht unsere einzige Antwort auf die dritte Corona-Welle sein“, sagte Reinhardt dem Redaktionsnetzwerk Deutschland am Donnerstag. Es gebe „vielversprechende Ansätze, die sogar in Teilen Schritte zur Rückkehr in die gesellschaftliche Normalität ermöglichen“. Städte wie Tübingen oder Rostock zeigten, wie es gehe, sagte Reinhardt.

Hier werden kostenlose Schnelltests mit lokalen Lockerungen kombiniert, so wie es jetzt auch für das Saarland angedacht ist. Dazu sagte Ärzte-Chef Reinhardt: „Zusammen mit einer schnellen Durchimpfung der Bevölkerung – und dafür brauchen wir dringend mehr Impfstoff sowie eine effektivere digitale Kontaktnachverfolgung – wäre das eine echte Alternative zum Hin und Her der vergangenen Monate.“

RKU-Chef Lothar Wieler: Infektionsanstieg ist nur mit Lockdown zu stoppen

Der Chef des Robert Koch-Instituts, Lothar Wieler, hat hingegen die zentrale Bedeutung des Lockdowns im Kampf gegen die steigenden Corona-Zahlen betont. „Wir können diesen Anstieg nicht stoppen, es sei denn mit einem neuen Lockdown für das Land“, sagte Wieler am Mittwochabend in einer Online-Veranstaltung der deutschen Botschaft in Washington. Andere „Werkzeuge“ zur Eindämmung der dritten Welle stünden derzeit nicht zur Verfügung.

Das RKI gehe davon aus, dass rund 80 Prozent der Bevölkerung gegen das Virus immun sein müssten, um eine neue Welle zu stoppen. „Bis das erreicht ist, werden wir nicht sicher sein“, erklärte Wieler. Bis die Impfkampagne so weit fortgeschritten sei, müssten die bekannten Vorsichtsmaßnahmen wie das Tragen von Masken und das Begrenzen von Kontakten weiter befolgt werden.