Tino Schmidt, Spieler des SV Babelsberg 03
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BabelsbergDer Fußball-Regionalligist SV Babelsberg 03 und Fans erheben schwere Vorwürfe gegen die Bundespolizei. Es geht um einen Einsatz am vorvergangenen Sonntag auf der Rückfahrt vom Pokalspiel in Lübben nach Potsdam. Laut einer Stellungnahme des Fan-Netzwerks Nur03 sollen Beamte einer Beweissicherungs- und Festnahmeeinheit (BFE) die Anhänger des Vereins geschubst und ihnen mit weiterer Gewalt gedroht haben. Zuerst hatte die Märkische Allgemeine Zeitung darüber berichtet.

Demnach sei die BFE auf Bitte der Polizei Brandenburg vor Ort gewesen, um mögliche Verdächtige zu ermitteln. Der Hintergrund: Der Verein Grün-Weiß Lübben hatte nach dem Spiel festgestellt, dass ein Absperrzaun im Fanblock der Babelsberger beschädigt worden war. Beim Umstieg am Bahnhof Friedrichstraße in Berlin seien die Beamten aggressiv aufgetreten, hätten Druck ausgeübt und die Fans in Richtung der Bahnsteigkante geschubst – so die Schilderung des Projekts Nur03. Das habe auch dann nicht aufgehört, als ein Zug auf dem gleichen Bahnsteig einfuhr.

Der Vorwurf: Schikane, Drohungen, Schubsen

Eine Zusammenarbeit mit den anwesenden Fanprojekten der Vereine Babelsberg und Sankt Pauli habe die Bundespolizei abgelehnt. Eine ursprünglich als verdächtig geltende Person wurde von der angeforderten Landespolizei Berlin nach der Sichtung von Fotos wieder zu den anderen Fans gehen gelassen. Nur03 schreibt: „Laut uns vorliegenden Zeug*innenaussagen wirkte der Leiter der BFE daraufhin weiterhin unzufrieden. Auch die Bestätigung der szenekundigen Beamten, dass die Person sich nicht im Zug aufhalten würde, schien nicht für die gewünschte Beruhigung der Situation zu sorgen.“

Später sei die kontrollierte Person erneut aufgehalten worden. Laut Nur03 soll die BFE zudem an jeder der vier Haltestellen zwischen Friedrichstraße und Potsdam Hauptbahnhof eigenmächtig den Zug gestoppt und die Weiterfahrt verzögert haben. Selbst der Zugführer habe die Beamten aufgefordert, das zu unterlassen. Auch später hätten die Beamten die Fans weiter provoziert, das Einhalten eines Mindestabstands nicht ermöglicht, zudem sollen nicht alle Einsatzkräfte einen Mundschutz getragen haben.

Verein bestätigt die Schilderungen

Zeugen zufolge hätten szenekundige Beamte nach einem erneuten Gespräch mit dem BFE-Leiter kopfschüttelnd den Einsatz verlassen. Auch die zuständige Landespolizei am Hauptbahnhof Potsdam habe das Geschehende mit einer „Scheibenwischer-Geste“ kommentiert. Der Verein bestätigte die Aussagen von Nur03 und teilte mit: „Betroffen waren, neben diversen Fans unseres Vereins, auch Gremienmitglieder, denen unter anderen der Ausstieg in Berlin untersagt wurde.“ Die Polizei Brandenburg hatte am Tag des Spiels mitgeteilt, An- und Abreise der Fans seien „ohne Zwischenfälle“ erfolgt