Berlin - Nach rund zehn Jahren Bauzeit geht am Freitag die Verlängerung der U-Bahn-Linie 5 in Betrieb. Die insgesamt 2,2 Kilometer lange Strecke schließt die Lücke der U5 zwischen dem Brandenburger Tor und dem Alexanderplatz. Ab 12 Uhr sollen die ersten Züge durch die beiden Röhren fahren - ohne offizielle Eröffnungsfahrt. „Angesichts der Corona-Pandemie wird auf Feierlichkeiten vor Ort verzichtet“, hieß es bei den Berliner Verkehrsbetrieben (BVG).

„Eines der schönsten Geschenke erhalten die Fahrgäste des Berliner Nahverkehrs bereits drei Wochen vor Weihnachten“, verspricht das Unternehmen vor der Inbetriebnahme des mehr als eine halbe Milliarde Euro teuren Projekts. Auch der Berliner Fahrgastverband zeigt sich erfreut. Fahrgäste können nun ohne Umstieg zwischen dem Hauptbahnhof und Hönow im Osten der Stadt hin- und herfahren.

U5 soll S-Bahn entlasten

„Die U5 bringt eine wichtige Entlastung für die Stadtbahn“, sagte Jens Wieseke, stellvertretender Vorsitzender der Interessengemeinschaft Eisenbahn, Nahverkehr und Fahrgastbelange Berlin (Igeb). Auf dem Viadukt der Stadtbahn fahren neben Fernzügen auch viele S-Bahn- und Regionalzüge.

Eigentlich sollte die U-Bahn schon 2017 starten. Das zuständige Unternehmen trieb mehrere Jahre eine 700 Tonnen schwere Tunnelbohrmaschine mit 6,70-Meter-Schneidrad durch den Untergrund. Der 4. Dezember ist der Tag der Heiligen Barbara, der Patronin der Bergleute und Tunnelbauer.

Neben den beiden Tunnelröhren wurden auch die Bahnhöfe Rotes Rathaus, Museumsinsel und Unter den Linden gebaut. An der Museumsinsel fahren die Züge bis zum nächsten Sommer aber noch durch. Der Bahnhof ist noch nicht ganz fertig. Geschlossen wird der U6-Bahnhof Französische Straße. Er liegt dicht am neuen Bahnhof Unter den Linden, wo sich U6 und U5 kreuzen.

Fahrgastverband: U-Bahn ist nicht alles

Das U5-Baubudget aus Bundes- und Landesmitteln beziffert die Projektgesellschaft auf 525 Millionen Euro. BVG-Betriebschef Rolf Erfurt sprach kürzlich von Kosten von 530 bis 540 Millionen Euro. Mit dem Lückenschluss endet die Geschichte der 2009 gestarteten U55 zwischen Brandenburger Tor und Hauptbahnhof mit Halt zwischen Bundestag und Kanzleramt.

Der Fahrgastverband Igeb erwartet noch Verbesserungen bei der neuen U-Bahn: Für Umsteiger im Osten der Stadt forderte Wieseke einen besser abgestimmten Fahrtakt. Zudem dürfe im Gegenzug nicht die Buslinie 245 gestutzt werden, die an der Charité vorbeiführt. Der Fahrgastverband warnte auch vor einer „U-Bahn-Euphorie“ in der Stadt. An anderen Stellen seien häufig zunächst Busspuren und Straßenbahnlinien die bessere Lösung.