Shitstorm: Ukrainischer Präsidentenberater kündigt nach Fauxpas

Bei dem Raketeneinschlag in der Ukraine waren Dutzende Menschen getötet worden. Präsidentenberater Arestowytsch vermutete die Schuld zunächst auf ukrainischer Seite.

Bei dem Raketenangriff war ein Hochhaus im ukrainischen Dnipro komplett zerstört worden.
Bei dem Raketenangriff war ein Hochhaus im ukrainischen Dnipro komplett zerstört worden.AP/Evgeniy Maloletka

Nach einer Welle der öffentlichen Empörung hat der externe Berater im ukrainischen Präsidentenbüro, Olexij Arestowytsch, die Kündigung eingereicht. „Ich möchte ein Beispiel zivilisierten Verhaltens zeigen“, schrieb der 47-Jährige am Dienstag bei Facebook. Anlass des Rücktritts sei eine umstrittene Aussage in einem Livestream in der Nacht zum Sonntag. Arestowytsch hatte auch die ukrainische Flugabwehr als mögliche Ursache für den Einschlag einer russischen Rakete in einem Wohnhaus in der Großstadt Dnipro genannt – mindestens 40 Menschen waren dabei getötet worden.

Nach der Äußerung schlug dem 47-Jährigen im Netz eine Welle der Entrüstung entgegen. Er verbreite russische Propaganda. Die ukrainische Luftwaffe wies indes die Möglichkeit zurück, überhaupt in der Lage dazu zu sein, russische Überschallraketen vom Typ Ch-22 abzufangen. Vorherige offizielle Veröffentlichungen dazu seien nicht richtig gewesen. In der Nacht zum Dienstag entschuldigte sich Arestowytsch für die Äußerung bei den Hinterbliebenen.

Selenskyj verurteilt Raketenangriff als „Kriegsverbrechen“

Der verheerende Raketeneinschlag in der zentralukrainischen Stadt Dnipro hatte am Sonntag weltweit heftige Reaktionen ausgelöst. Es war nach UN-Informationen einer der Angriffe mit den meisten Todesopfern seit Beginn des russischen Angriffskriegs im Februar letzten Jahres. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj verurteilte Angriff derweil als „Kriegsverbrechen“. In seiner täglichen Videoansprache in der Nacht zum Dienstag erklärte Selenskyj: „Jede Person, die für dieses Kriegsverbrechen verantwortlich ist, wird identifiziert und vor Gericht gestellt.“

Die russische Armee ist vor inzwischen knapp elf Monaten völkerrechtswidrig in die Ukraine einmarschiert. Mit Beginn des Krieges wurde der nicht unumstrittene Militärstratege Arestowytsch durch seine Kommentare zum Kriegsgeschehen auch in der westlichen Medienöffentlichkeit zunehmend bekannt. Er arbeitete seit Dezember 2020 im Präsidentenbüro.