Bodo Ramelow, der Ministerpräsident von Thüringen. 
Foto: dpa/Martin Schutt

ErfurtAuf der Facebook-Seite des Landesverbandes Thüringen der Linken haben drei Politiker der Partei Fotos von sich veröffentlicht, auf denen sie demonstrativ den Mittelfinger zeigen. Mit der Aktion beziehen die Linke-Politiker offensichtlich Stellung im aktuellen Streit um Thüringens Ministerpräsidenten Bodo Ramelow. Dieser hatte dem  AfD-Abgeordneten Stefan Möller im Landtag den Stinkefinger gezeigt und Möller als „widerlichen Drecksack“ bezeichnet. 

Auf den aktuellen Fotos sind Katharina König-Preuss, Sprecherin für Antifaschismus und Antirassismus, Sascha Bilay, kommunalpolitischer Sprecher sowie Ute Lukasch, wohnungspolitische Sprecherin der Linken zu sehen. Zu den Fotos steht geschrieben: „Manchmal braucht es eben (Mittel-) Fingerspitzengefühl!“

Auf Twitter hatte Ramelow für seine Geste viel Zustimmung erhalten, wurde aber auch kritisiert. Thüringens SPD-Landeschef Wolfgang Tiefensee hatte mitgeteilt, Ramelow habe eine Grenze überschritten. „Sie begeben sich auf das Niveau derer, die Sie beleidigt haben“, hieß es in einem an Ramelow gerichteten Tweet. 

Streit wegen Überwachung durch Verfassungsschutz

In einem am Freitag ausgestrahlten MDR-Interview hatte Ramelow zudem eingeräumt, Möller im Landtag auch als„ widerlichen Drecksack“ bezeichnet zu haben. „Es gehört sich nicht, im Parlament so was zu sagen, was ich gesagt habe, aber ich wiederhole es. Herr Möller ist mit dem, was er gerade im Parlament gemacht hat, aus meiner Sicht ein widerlicher Drecksack“, sagte Ramelow vor der Kamera.

Zu der Geste des ausgestreckten Mittelfingers hatte Thüringens Ministerpräsident am Freitag bei Twitter zudem geschrieben: „Dem Landtag gebührt mein Respekt als Verfassungsorgan. Den habe ich heute nicht im gebotenen Maße gezeigt. Gleichwohl werde ich meine antifaschistische Grundhaltung niemals von der AfD instrumentalisieren lassen.“

Möller, der zugleich auch AfD-Landessprecher ist, hatte laut dpa während einer Diskussion über den Umgang mit NSU-Akten auch über den Verfassungsschutz gesprochen und diesen als „skandalgeneigte Behörde“ bezeichnet. „Wer da schon alles Tolles beobachtet wurde, nicht wahr, Herr Ramelow?“, sagte Möller in diesem Zusammenhang in Richtung des Thüringer Regierungschefs. Ramelow zeigte Möller daraufhin den Mittelfinger.

Ramelow wurde jahrelang vom Verfassungsschutz überwacht. Später stellte das Bundesverfassungsgericht fest, dass dies verfassungswidrig war.