Berlin - Nach dem Streit um die schrittweise Öffnung der Schulen trotz Verlängerung des Corona-Lockdowns rücken in Berlin nun die Kitas stärker in den Fokus. Elternvertreter und Verbände forderten am Freitag eine verlässliche Öffnung der Kindertagesstätten. Seit Beginn des Lockdowns zur Eindämmung der Corona-Pandemie am 16. Dezember wird dort lediglich eine Notbetreuung für wenige Kinder angeboten, deren Eltern keine andere Möglichkeit haben.

„Die Kita als wichtige Bildungsmöglichkeit muss für alle Kinder zugänglich bleiben“, erklärte die Vorsitzende des Landeselternausschusses Kindertagesstätten, Corinna Balkow. Denn viele Eltern hätten nur die Wahl zwischen ihrer Arbeitstätigkeit und der Gesundheit ihrer Familie. „Daher unterstützen wir eine Betreuungsmöglichkeit, die sich am Bedarf der Familien und dem erforderlichen Gesundheitsschutz orientiert.“ Neben finanziellem Ausgleich und arbeitsrechtlicher Absicherung für alle Familien müsse die Perspektive eines Kita-Besuchs für alle Kinder bestehen. Als Untergrenze beim Betreuungsumfang nannte Balkow fünf Stunden am Tag.

Auch wenn dies nicht für alle Kinder im vollen Stundenumfang möglich und es sinnvoll sei, die Zahl der gleichzeitig anwesenden Kinder auf die Hälfte des Normalumfangs zu begrenzen, sei ein zuverlässiges und planbares Angebot wichtig. Dieses könne tage- oder wochenweise zusammengefasst werden, um sinnvolle Betreuungsarrangements zu ermöglichen und zu organisieren. Eltern mit Jobs in der kritischen Infrastruktur benötigten mehr Stunden Betreuung ihrer Kinder bis hin zur Ganztagsbetreuung.

Pläne des Senats stoßen auf Kritik

Der Senat hatte am Mittwoch beschlossen, den Lockdown bis 31. Januar zu verlängern, aber vom kommenden Montag (11. Januar) an schrittweise zumindest wieder Wechselunterricht anzubieten, also eine Kombination aus Lernen zu Hause und in den Schulen in kleinen Gruppen. In Sachen Kitas soll sich nach den Plänen des Senats zunächst nichts ändern.

Die Pläne riefen in den vergangenen Tagen Kritik etwa bei der Lehrergewerkschaft GEW, einigen Schulleitern, Eltern- und Schülervertretern hervor. Der Bildungsdirektor der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), Andreas Schleicher, hält sie hingegen für richtig.

„Es sind immer schwierige Abwägungen. Aber gerade in den ersten Schul- und Lebensjahren ist der Präsenzunterricht einfach nicht ersetzbar“, sagte der Bildungsforscher am Freitag dem RBB-Inforadio. „Insofern ist der Ansatz in Berlin, wenn das die Gesundheitslage zulässt, sehr vernünftig, dass man gerade bei den kleinsten Kindern schnell anfängt, auch in begrenzten Klassen.“

Bildung sei immer Beziehungsarbeit und nicht nur Wissensvermittlung, erläuterte Schleicher. Und in den ersten Schuljahren sei schon deshalb Präsenzunterricht nötig, weil man bei Grundschülern kein selbstständiges Lernen zu Hause erwarten könne. Hier könne digitale Wissensvermittlung also „nicht sehr viel erreichen“. Bei höheren Jahrgängen hingegen könnten Wechselunterricht und Digitalisierung mehr bringen.