Rottderdam/München - Louis van Gaal versuchte sein schmerzhaftes Missgeschick einfach wegzulächeln. „Ich kann alles tun“, betonte der sichtlich angeschlagene Bondscoach nach seinem folgenschweren Fahrradunfall und quälte sich zu einem Scherz: „Coaching ist ja verbal - und mein Gehirn arbeitet gut.“

Doch der Körper des 70-Jährigen hat beim Sturz am Sonntagabend schwer gelitten, van Gaal zog sich einen Knochenbruch in der Hüfte zu und sitzt vorübergehend im Rollstuhl. „Ich habe große Schmerzen“, sagte er - und das ausgerechnet vor dem WM-„Finale“ in der Qualifikation am Dienstag (20.45 Uhr/DAZN) gegen Norwegen. Die Wikinger sieht van Gaal auch ohne den verletzten Erling Haaland noch vor dem zweiten Rivalen Türkei um Coach Stefan Kuntz als „härtesten Gegner“ in Gruppe G.

Oranje führt die Staffel zwar mit 20 Zählern vor den punktgleichen Herausforderern (je 18) an, doch beim dreimaligen WM-Zweiten herrscht nackte Panik. Viele deutsche Fans hoffen auf eine Neuauflage des Klassikers: „Ohne Holland fahr'n wir zur WM!“ Wie 2018.

Van Gaal kritisiert Geisterspiel – Erling Haaland fährt mit nach Rotterdam

„Wir haben mehr Qualität als Norwegen - und das werden wir auch zeigen“, hielt van Gaal dagegen. Norwegens verletzter Wunderstürmer Haaland unterbricht zwar seinen Urlaub, sitzt in Rotterdam aber nur als Edel-Fan auf der wegen Corona ansonsten leeren Tribüne. Das Geisterspiel ist für van Gaal ein Unding, die Regierung von Mark Rutte habe „nicht logisch darüber nachgedacht“, polterte er.

Operiert werden muss der frühere Bayern-Trainer, der sich bereits vor sechs Jahren einem Eingriff an der Hüfte hatte unterziehen müssen, nicht. Und mit Coaching aus dem Rollstuhl kennt er sich aus: Schon nach einem Beinbruch 2007 trainierte er AZ Alkmaar so. Außerdem, scherzte er, gebe es im Stadion De Kuip ja einen Aufzug.

Sollte die Elftal patzen, könnte Kuntz profitieren. „Wir sind bereit, wenn sich die Tür öffnet“, sagte der Coach der Türken, der in Montenegro auf die Unterstützung von Staatschef Recep Tayyip Erdogan zählen kann.

Doch auch Norwegen hofft. „Alles ist möglich“, sagte Regisseur Martin Ödegaard. Oranje-Legende Rafael van der Vaart hält dagegen. Ja, seine Erben hatten in Montenegro (2:2) „einen wirklich schlechten Tag, aber sie sind Topspieler - das wird ihnen in vier Tagen nicht zweimal passieren.“ Auch nicht, wenn der Boss schwächelt.