Berlin - Die Pannen-Wahl vom Sonntag hat eine erste handfeste Konsequenz: Nach einer Nachzählung der Stimmen im Wahlkreis 6 in Charlottenburg-Wilmersdorf hat das dortige Bezirkswahlamt ein erstes Wahlergebnis korrigiert: Demnach entfielen die meisten Stimmen auf den Grünen-Kandidaten Alexander Kaas Elias, wie das Amt am Freitag mitteilte. Bisher galt die SPD-Kandidatin Franziska Becker als Siegerin. Sie verliert damit ihr Direktmandat für das Abgeordnetenhaus.

Laut Nachzählung kommt sie nun auf 23 Stimmen weniger. Zu der Nachzählung habe sich das Amt aufgrund des knappen Ergebnisses entschieden, hieß es. Zunächst war Becker mit einem Vorsprung von 8 Stimmen als Direktkandidatin geführt worden.

Besonders kurios: Beide erhielten bei der Nachzählung weniger Stimmen als beim ersten Mal. Alexander Kaas Elias verlor aber weniger (minus 34 Stimmen) als Franziska Becker (minus 65 Stimmen) und gewann deshalb. Laut Bezirkswahlamt entfielen auf den Grünen 6399 Stimmen, für die Sozialdemokratin votierten 6376 Wählerinnen und Wähler. Vorher hatte das Verhältnis 6441:6433 zugunsten Beckers gelautet.

Wahlkreis-Sieger Kaas Elias zeigte sich am Freitagabend im Gespräch mit der Berliner Zeitung erleichtert. „Ich kann’s kaum noch glauben, aber nach der Nachzählung scheint es jetzt die Wahrheit zu sein“, sagte der Grünen-Politiker. Er hatte bei den vorangegangenen beiden Abgeordnetenhauswahlen in dem Wilmersdorfer Wahlkreis stets gegen Franziska Becker verloren.

In der langen Zeit ihrer Konkurrenz hätten sie beide jedoch ein gutes Verhältnis zueinander aufgebaut, berichtet er. Umso froher sei er jetzt, als er am Freitag hörte, dass Franziska Becker trotz des Verlustes des Direktmandats doch noch über die SPD-Bezirksliste von Charlottenburg-Wilmersdorf ins Abgeordnetenhaus einzieht.

Doch es gibt auch einen Verlierer dieser Nachwahl: Stefan Taschner, Grünen-Politiker aus Lichtenberg. Durch Kaas Elias’ Nachzählsieg zog auf der Landesliste der Grünen ein Platz weniger für das Parlament. Und auf diesem Platz stand Taschner.

Dieser muss jetzt darauf hoffen, dass die Grünen auch in der neuen Landesregierung vertreten sind. Für jeden Senatsposten, rückt jemand von der Landesliste nach. Taschner wäre der erste.

Anders als in Charlottenburg-Wilmersdorf hatte in Pankow eine Nachzählung nicht so heftige Konsequenzen. Dort hatte es mit Kultursenator und Bürgermeister Klaus Lederer einen Prominenten erwischt. Er verpasst in Pankow 3 knapp sein Direktmandat gegen die Grüne Oda Hassepaß. Lederer erreichte eine Nachzählung. Erneut wurden dabei andere Zahlen ermittelt als bei der ersten Zählung. Es wurde knapper, aber Hassepaß blieb schließlich vorne.