Washington - Nach der beispiellosen Randale am Kapitol in Washington traut die Anführerin der Demokraten im Repräsentantenhaus, Nancy Pelosi, dem amtierenden Präsidenten Donald Trump offenbar alles zu. Sie habe mit US-Generalstabschef Mark Milley beraten, wie verhindert werden könne, dass „ein instabiler Präsident militärische Kampfhandlungen einleitet oder auf die Abschusscodes zugreift und einen Atomschlag befiehlt“, erklärte sie am Freitag.

Die Demokraten verlangen die vorzeitige Absetzung Trumps auf Grundlage des Zusatzartikels 25 der US-Verfassung. Dieser ermöglicht es, einen Präsidenten für amtsunfähig zu erklären. Vizepräsident Mike Pence und mehrere Kabinettsmitglieder lehnen dies laut New York Times jedoch ab, weil damit nach ihrer Ansicht das „derzeitige Chaos“ in Washington eher vergrößert als eingedämmt würde.

Die Anwendung des Zusatzartikels 25 ist nicht möglich, wenn der Vizepräsident dies verweigert. Pelosi kündigte jedoch bereits an, werde der Verfassungszusatz nicht angewendet, dann werde der Kongress ein neues Amtsenthebungsverfahren gegen Trump einleiten.

In Trumps Regierung setzten sich die Absetzbewegungen derweil fort. Am Donnerstag erklärte Bildungsministerin Betsy DeVos ihren Rücktritt. Zuvor waren bereits Verkehrsministerin Elaine Chao und weitere Regierungsvertreter zurückgetreten.

Um den scheidenden Präsidenten wird es damit zunehmend einsam. Der republikanische Senator Ben Sasse empfahl Trump im Radiosender NPR den Rücktritt: „Ich denke, je weniger der Präsident in den nächsten zwölf Tagen tut, desto besser.“