Houston - Die Sonde „Lucy“ der US-Raumfahrtagentur soll am 16. Oktober erstmals zu den Asteroiden des Jupiter aufbrechen. Die neue Raumsonde der Nasa teilt sich ihren Namen mit dem weltberühmten Skelett eines weiblichen Vormenschen.

„Genau wie das „Lucy“-Fossil einzigartige Einblicke in die Entwicklung des Menschen lieferte, verspricht die „Lucy“-Mission unser Wissen über die Entstehung der Planeten und des Sonnensystems zu revolutionieren“, heißt es von der Nasa. Die Asteroiden des Jupiter, die so genannten Jupiter-Trojaner, die „Lucy“ besuchen soll, seien „die Fossile der Formierung der Planeten“, sagte Nasa-Wissenschaftler Hal Levison.

Jupiter wird von Tausenden Trojanern verfolgt

Die vor mehreren Jahrzehnten entdeckten Jupiter-Trojaner umkreisen die Sonne auf der gleichen Bahn wie der Planet – ein Schwarm eilt ihm voraus, einer folgt ihm hinterher. Ursprünglich dachten Wissenschaftler, dass nur der Jupiter Trojaner habe, inzwischen sind sie aber auch bei anderen Himmelskörpern entdeckt worden. Wie viele Trojaner der Jupiter insgesamt hat, ist bislang unklar – entdeckt wurden bereits mehrere Tausend.

An sieben davon soll „Lucy“ während ihrer auf zwölf Jahre angelegten Mission als erste Sonde in der Geschichte der Raumfahrt eng vorbeifliegen: Eurybates, Queta, Polymele, Leucus, Orus, Patroclus und Menoetius – alle benannt nach Protagonisten aus der Antikensage „Ilias“ von Homer. Dazu soll „Lucy“ auch noch nah an einem Asteroid im Hauptgürtel des Jupiter vorbeifliegen und – ebenfalls als erste Sonde in der Geschichte der Raumfahrt – auch noch dreimal in die Nähe der Erde zurückkehren, um sich Unterstützung der Schwerkraft zu holen. Der erste Asteroiden-Vorbeiflug ist für 2025 geplant, die anderen sollen zwischen 2027 und 2033 stattfinden. Insgesamt soll „Lucy“ rund 6,5 Milliarden Kilometer zurücklegen.

Forscher: „Raumschiff ins All ist wie Kind aufs College schicken“

„Mit ‚Lucy‘ fliegen wir mit einem einzigen Raumschiff zu acht noch nie zuvor untersuchten Asteroiden in zwölf Jahren“, sagte Nasa-Wissenschaftler Tom Statler. „Das bietet uns eine fantastische Möglichkeit zu Entdeckungen, während wir in die tiefe Vergangenheit unseres Sonnensystems blicken.“

Die Sonde ist mehr als 14 Meter lang – vor allem wegen ihrer riesigen Solarzellen, mit denen die Batterien aufgeladen werden sollen. Daneben hat „Lucy“ aber auch rund 725 Kilogramm Treibstoff an Bord. Zum Start vom Weltraumbahnhof Cape Canaveral wird die Sonde in eine Art Kapsel gepackt, die sie wie eine Muschelschale umschließen soll. „Ein Raumschiff zu starten ist fast so, wie ein Kind aufs College zu schicken“, sagte Nasa-Forscher Levison. „Man hat getan, was man konnte, um es bereit zu machen für den nächsten großen Schritt, den es alleine gehen muss.“