Berlin - Mitarbeiter aus dem Berliner Krankenhaus des Maßregelvollzugs (KMV) schlugen bereits vor einigen Monaten Alarm. Nach mehreren Gewalttaten schrieben sie im März einen Brandbrief an Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci. Darin machen sie „akuten Personalmangel“ und „dauerhafte Überbelegung“ für die Gewaltvorfälle verantwortlich. Unterzeichnet wurde der Brief von mehreren ärztlichen Abteilungsleitern. Das Schreiben liegt dem ARD-Magazin „Panorama“ (NDR) und der Zeit vor. Darin heißt es, man sei gezwungen, „auch sehr gefährliche Patienten auf personell unterbesetzten und räumlich ungeeigneten Stationen zu betreuen.“ Die Gefährdung von Mitpatienten und Mitarbeitern sei deutlich gestiegen, warnen die Ärzte.

Laut interner Zahlen aus dem KMV soll es dort allein 2019 rund 180 Angriffe auf Mitarbeitenr gegeben haben, von Körperverletzungen bis hin zu versuchtem Totschlag. In diesem Jahr seien sogar bereits 300 Übergriffe gemeldet worden.

Senatorin Kalayci antwortet Ärzten nicht

Die Ärzte haben sich dann wegen ausbleibender Antwort der Berliner Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci im Juli mit ihrem Brandbrief auch an den Regierenden Bürgermeister Michael Müller gewandt und berichteten, wie „katastrophal“ die Situation sei. Sie könnten die Verantwortung dafür nicht mehr übernehmen. Vorausgegangen war ein Vorfall im Februar dieses Jahres, bei dem eine Ärztin von einem Patienten fast getötet wurde. Eine Antwort von Müller haben die Ärztinnen und Ärzte nicht erhalten.

Auf Anfrage von „Panorama“ und Zeit teilt der Regierende Bürgermeister Müller mit, er habe den Brief an die Gesundheitssenatorin weitergeleitet und darum gebeten, dem Vorgang nachzugehen. Senatorin Kalayci erklärt auf Anfrage zu dem Brandbrief: „Das Schreiben ist bekannt und wurde berücksichtigt.“ Auf weitere Fragen räumt sie den Personalmangel ein.

Nach den Recherchen haben zahlreiche Ärzte und Psychologen aufgrund der Mängel gekündigt, was die Situation weiter verschärft. Ein zusätzliches Problem hat der Berliner Maßregelvollzug mit eingeschmuggelten Drogen. Insbesondere auf der Suchtstation, eine der größten Deutschlands, ist es laut Ärzten und ehemaligen Patienten kein Problem, an Suchtmittel aller Art zu kommen.

Im Maßregelvollzug interniert werden Straftäter mit verminderter Schuldfähigkeit, etwa aufgrund von psychischen Krankheiten oder Suchtproblemen. Sie sollen hier auch therapiert werden. Viele der Täter haben schwere Gewalttaten begangen.

Panorama: Donnerstag, 17. Dezember, 21.45 Uhr, Das Erste