Die Ankündigung von Dreharbeiten zu einer Netflix-Produktion hat in Portugal einen heftigen politischen Streit ausgelöst. Der Vorsitzende des betroffenen Stadtbezirkes Santa Maria Maior in der Hauptstadt Lissabon, Miguel Coelho, klagte, der aller Voraussicht nach extrem lautstarke Dreh im Juli werde die Anwohner an acht aufeinanderfolgenden Nächten um den Schlaf bringen und unter anderem auch deren Bewegungsfreiheit einschränken. Lissabons Bürgermeister Carlos Moedas habe sich dennoch geweigert, die von ihm erteilte Drehgenehmigung zurückzuziehen, berichteten am Mittwoch die Zeitung Público und andere portugiesische Medien.

Lissabon könne es sich nicht leisten, solche Angebote „von großen internationalen Organisationen auszuschlagen“, meinte Moedas. Der Politiker, der erst seit Oktober im Amt ist, wies auf die Einnahmen hin, die die Dreharbeiten versprechen, und betonte, es gehe auch um das Image der Stadt: „Wir müssen Lissabon wieder zur großen Referenz in Europa und zu einer echten Weltstadt machen.“

Coelho hatte sich zuvor unter anderem auf Facebook und als Gast bei Fernsehsendern wie CNN Portugal beschwert. In seinem Bezirk im Zentrum Lissabons wohnten viele ältere Menschen und viele Familien mit kleinen Kindern, die extrem ruhebedürftig seien. Vorgesehen seien nach Angaben der Produktionsfirma „Ready to Shoot“ nächtliche Dreharbeiten zwischen 18 Uhr und 8 Uhr morgens, mit Explosionen, Feuereffekten und Schüssen sowie Verfolgungsjagden mit Autos und Motorrädern auf den Treppen von Vierteln wie Chiado und Mouraria. Das sei eine „Aggression“, eine „missbräuchliche Besetzung des öffentlichen Raums“. „Unsere Stadt ist kein Filmstudio, hier wohnen Menschen.“ „Ready to Shoot“ wollte sich auf Anfrage nicht äußern.