Neuartiges Forschungsschiff „Uthörn“ getauft

Die erste ihrer Art soll sie sein: die „Uthörn“, ein Seeschiff, das für den Betrieb mit grünem Methanol gebaut wurde. Künftig nutzt das Alfred-Wegener-Instit...

Die neue «Uthörn» ersetzt den 1982 in Dienst gestellten Forschungskutter gleichen Namens. Der Neubau soll das erste Seeschiff weltweit mit einem umweltfreundlichen und nachhaltigen Methanol-Antrieb sein und wird vom Alfred-Wegener-Institut (AWI) genutzt werden.
Die neue «Uthörn» ersetzt den 1982 in Dienst gestellten Forschungskutter gleichen Namens. Der Neubau soll das erste Seeschiff weltweit mit einem umweltfreundlichen und nachhaltigen Methanol-Antrieb sein und wird vom Alfred-Wegener-Institut (AWI) genutzt werden.Sina Schuldt/dpa

Berne (dpa) –-Das erste Forschungsschiff Deutschlands, das mit grünem Methanol fährt, ist am Dienstag getauft worden. Nach Angaben des Alfred-Wegener-Instituts (AWI), dem Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung, handelt es sich sogar um das weltweit erste Seeschiff dieser Art. Getauft wurde der Kutter von Bundesforschungsministerin Bettina Stark-Watzinger (FDP) am Dienstag in Berne (Landkreis Wesermarsch) bei Bremen. „Als Kraftstoff ist Methanol bislang ein Experiment gewesen“, sagte Stark-Watzinger. „Deswegen ist es heute ein so wichtiger Schritt auf einem Weg zu einer sauberen Schifffahrt.“

Flaschen mit herkömmlichen Diesel-Treibstoff (l) und dem im neuen Forschungsschiff «Uthörn» genutzten Methanol-Treibstoff stehen vor dem Schiff.
Flaschen mit herkömmlichen Diesel-Treibstoff (l) und dem im neuen Forschungsschiff «Uthörn» genutzten Methanol-Treibstoff stehen vor dem Schiff.Sina Schuldt/dpa

Mit der „Uthörn“ fahren Forscher des AWI über die Nordsee und untersuchen, wie sich das Meer verändert hat. Dabei erfassen sie immer wieder an denselben Stellen den physikalischen, chemischen und biologischen Zustand des Meeres. Auf diese Weise entstehen laut AWI wertvolle Messreihe, an denen die Forscher kleinste Veränderungen der Umwelt feststellen. „Wir können in Windparks forschen, wir können den Boden vermessen, vor allem immer wieder in die Nachbarländer weit fahren und tatsächlich auch unseren Kollegen helfen“, sagte die stellvertretende Direktorin des AWI, Karen Wiltshire, über das Multifunktionsschiff.

Erste Aufgaben warten schon

Mithilfe des Kutters werde man herausfinden, ob sich die Deutsche Bucht von den Flusseinträgen der 70er- und 80er-Jahre - den Nähr- und den Schadstoffen - erhole, sagte Wiltshire. Auch werde man sehen, ob sich geschädigte Meeresböden regenerierten, und zudem die Auswirkungen des Klimawandels untersuchen. Die „Uthörn“, die nach einer kleinen Nebeninsel Sylts benannt wurde, wird auch zur Ausbildung von Meeresbiologen genutzt.

Der Bau des Kutters kostete 14,45 Millionen Euro. Er wurde komplett vom Bundesforschungsministerium finanziert, wie der Verwaltungsdirektor des AWI, Karsten Wurr, sagte. Gebaut wurde die „Uthörn“ von der Werft Fassmer in Berne.

Nach Angaben des AWI fährt die „Uthörn“ mit zwei elektrischen Fahrmotoren. Die Energie für diese liefern zwei Verbrenner-Motoren, die mit Methanol statt mit Schiffsdiesel angetrieben werden. Dabei gelangten keine Rußpartikel in die Luft - anders als bei der Verbrennung von Benzin, Diesel und Schweröl. Weil Methanol im Vergleich zum Diesel nur eine etwa halb so hohe Energiedichte hat, sei die „Uthörn“ mit deutlich größeren Tanks als ihre Vorgängerin ausgestattet worden.

Noch ist nicht abschließend geklärt, woher das grüne Methanol zum Betrieb des Schiffs stammen wird. Die Reederei Laeisz, die das Schiff im Auftrag des AWI betreibt, befinde sich gegenwärtig in Gesprächen mit zwei möglichen Lieferanten, sagte Henning Westphal von Laeisz. Grünes Methanol, ein nahezu CO2-neutraler Kraftstoff, entsteht, wenn die Energie zu seiner Herstellung aus erneuerbaren Quellen stammt. Dazu wird etwa mit Hilfe von Windenergie Wasserstoff produziert, der mit CO2 zu Methanol reagiert. Das CO2 kann beispielsweise aus einer Kläranlage kommen. Das Vorgängerschiff, die alte „Uthörn“, verbrauchte laut AWI im Schnitt pro Jahr 76 Tonnen Dieselöl.