Berlin - Die Plagiatsaffäre um die SPD-Spitzenkandidatin für die Berliner Abgeordnetenhauswahl, Franziska Giffey, ist um ein Kapitel reicher: Nachdem sie bereits wegen Täuschungsvorwürfen im Zusammenhang mit ihrer Doktorarbeit den Posten als Bundesfamilienministerin geräumt hatte, gibt es nun neue Plagiatsvorwürfe gegen sie – diesmal wegen ihrer Masterarbeit. Dies berichtet das Internetportal t-online und zitiert den Professor für Sprachwissenschaften an der FU Berlin, Anatol Stefanowitsch, mit den Worten: „Die Masterarbeit ist in großen Teilen ein Flickenteppich aus Plagiaten. Einfachste Grundsätze des wissenschaftlichen Arbeitens wurden verletzt.“ Er habe das Dokument gründlich geprüft.     

Professor Stefanowitsch und mehrere Kollegen haben nach eigenen Angaben bisher 62 Stellen mit mutmaßlichen Plagiaten in Giffeys Masterarbeit gefunden. So seien Absätze, ohne als Zitate gekennzeichnet zu sein, wörtlich aus anderen Quellen abgeschrieben oder herauskopiert worden. Dies betreffe wissenschaftliche Quellen, aber auch Informationen aus dem Internet. Stefanowitsch sagte gegenüber t-online: „Bei diesem flächendeckenden Vorgehen kann ich mir nur schwer vorstellen, dass es der Verfasserin nicht bewusst war.“

Masterarbeit „nach bestem Wissen und Gewissen gefertigt“

Franziska Giffey hatte ihre Masterarbeit „Der Europapreis der Parlamentarischen Versammlung des Europarats“ im Jahr 2005 an der Berliner Fachhochschule für Verwaltung und Rechtspflege vorgelegt. Bis heute hegt sie offenbar keine Zweifel an ihrer damaligen Leistung. Sie ließ, nachdem t-online eine Anfrage gestellt hatte, eine Rechtskanzlei mitteilen, dass sie ihre Masterarbeit „nach bestem Wissen und Gewissen gefertigt“ habe. Ähnlich äußerte sich Giffey wiederholt zu Fragen, die ihre Doktorarbeit betreffen. Die FU Berlin entzog ihr gleichwohl im Juni den Doktortitel.

Hochschule prüft neue Plagiatsvorwürfe gegen Giffey nicht

Die Hochschule, an der Giffey ihren Masterabschluss gemacht hat, erklärte am Freitag, dass sie die neuen Plagiatsvorwürfe nicht prüfe. Im Fall einer Masterarbeit gelte dafür eine Frist von fünf Jahren, die inzwischen abgelaufen sei.