Berlin/LondonDie Schulferien im Sommer und Herbst hatten keinen signifikanten Einfluss auf die Ausbreitung des Coronavirus in Deutschland. Die Rückkehr zum vollen Schulbetrieb nach den Sommerferien habe ebenfalls nicht zur Erhöhung der Infektionszahlen geführt – weder unter Kindern noch unter Erwachsenen. Zu diesen Ergebnissen kommt eine neue Studie von Wissenschaftlern, die am University College London und am Centre for Research and Analysis of Migration forschen.

Anders als die meisten epidemiologischen Studien, die das Infektionsgeschehen an einzelnen Schulstandorten beobachten, basiert die Studie auf deutschlandweiten Daten des Robert-Koch-Instituts, heißt es in einer Mitteilung des RWI – Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung.

Den nun vorgelegten Analysen zufolge liegt der Effekt von Schulschließungen auf die Infektionsrate bei nahezu null. Dies bedeutet, dass die Kinder während der Schulferien einem ähnlichen Infektionsrisiko ausgesetzt waren wie während des Schulbetriebs. Die Analyse der Schulferien im Herbst, der insgesamt durch deutlich höhere Infektionsraten geprägt war als der Sommer, bestätigt diesen Befund.

In der älteren Bevölkerung kam es durch die Schulferien im Sommer maximal zu einem Absinken der Infektionszahlen um täglich 0,03 Infektionen pro 100.000 Personen ab 60 Jahren. Die Analyse der Herbstferienzahlen bestätigt diese Beobachtung. Zugleich kam es nach der Wiederaufnahme des vollen Präsenzunterrichts nach den Sommerferien nicht zu einem Anstieg der Infektionen unter Schulkindern und Erwachsenen.

Vielmehr stiegen die Infektionsraten in den letzten Wochen der Sommerferien an, bevor sie in den ersten Tagen nach Schulbeginn zurückgingen, insbesondere bei den jüngeren Altersgruppen. Die Studie nutzt die Tatsache, dass die Schulferien in den Bundesländern zu unterschiedlichen Zeiten starten. Der jeweilige Zeitpunkt wird mit mehreren Jahren Vorlauf festgelegt und ist damit unabhängig vom Infektionsgeschehen.

„Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass Schulen in der Verbreitung des SARS-CoV-2 Virus bislang eine untergeordnete Rolle gespielt haben“, sagt Uta Schönberg. Die Professorin am University College London hat gemeinsam mit Clara von Bismarck-Osten die Studie aufgesetzt. Auch die Annahme, dass die Rückkehr zum vollen Schulbetrieb nach den Sommerferien wesentlich zur zweiten Welle beigetragen habe, erscheint unbegründet – womöglich aufgrund der in den Schulen eingeführten Regeln zur Verhinderung von Ansteckungen.