Neuer Höchststand: Inflation knackt 10-Prozent-Marke

Gas, Strom, Lebensmittel: Das tägliche Leben in Deutschland hat sich zuletzt extrem verteuert. Es bleibt kaum Geld übrig. 

Münzen in einer Geldbörse. 
Münzen in einer Geldbörse. dpa/Federico Gambarini

Angetrieben durch die Preise für Energie und Nahrungsmittel ist die Inflation im September auf 10,0 Prozent geschnellt und hat damit einen neuen Höchststand erreicht. Das Statistische Bundesamt in Wiesbaden bestätigte damit am Donnerstag erste Schätzungen von Ende September. Im August hatte die Teuerung im Vorjahresvergleich noch bei 7,9 Prozent gelegen, im Vergleich zum Vormonat stiegen die Preise im September um 1,9 Prozent.

Verstärkt wurde die Inflation durch den Wegfall von Entlastungsmaßnahmen, dem Tankrabatt und dem Neun-Euro-Ticket. Diese Unterstützung hatte es von Juni bis Ende August gegeben. Sie hatte dämpfend auf die Inflation gewirkt. Die Preiserhöhung im Verkehr lag daher im September verglichen mit dem Vorjahresmonat wieder bei 14,0 Prozent. Die Teuerung für Kraftstoffe betrug 30,5 Prozent.

Energiekrise und Lieferprobleme lassen Inflation in die Höhe schießen

Hauptfaktor waren aber weiterhin die Energiepreise - allein Energieprodukte waren im September im Jahresvergleich 43,9 Prozent teurer. Haushaltsenergie verteuerte sich mit 51,8 Prozent besonders stark, wie die Behörde betonte. So verdoppelten sich die Preise für leichtes Heizöl (plus 108,4 Prozent), Erdgas war 95,1 Prozent teurer und Strom 21 Prozent.

Lieferprobleme und Preisanstiege in den vorgelagerten Wirtschaftsstufen verteuerten auch Nahrungsmittel deutlich, hier lag der Anstieg zuletzt bei 18,7 Prozent. Deutlich teurer wurden dabei Speisefette und Speiseöle, Molkereiprodukte, Eier, Fleisch und Brot. Ohne die Faktoren Energie und Nahrungsmittel hätte die Inflation im September nur 4,6 Prozent und damit nicht einmal halb so viel wie die Gesamtrate betragen.

Umfrage: Teuerung macht Sparen fast unmöglich

Die extrem hohe Inflation bremst Deutschlands Sparer aus. Jeder Zweite (53,9 Prozent) legt einer Umfrage zufolge derzeit weniger Geld auf die hohe Kante oder kann aktuell gar nichts sparen, weil die stark gestiegenen Ausgaben zum Beispiel für Energie das Haushaltsbudget aufzehren. Das ergab eine YouGov-Umfrage im Auftrag der zum Deutsche-Bank-Konzern gehörenden Postbank.

Der Umfrage zufolge hat fast ein Viertel der Menschen (24,9 Prozent) hierzulande das Sparen eingestellt, weil ihre aktuellen Einnahmen die Ausgaben gerade decken. Mehr als jeder Zehnte (11,1 Prozent) hat nach eigenen Angaben bereits höhere Ausgaben zu stemmen als Einnahmen verfügbar sind und kann daher kein Geld mehr zurücklegen.

„Die steigenden Preise belasten Verbraucherinnen und Verbraucher so stark, dass jeder Zweite seine Sparleistungen reduzieren oder ganz einstellen muss. Davon betroffen sind nicht nur Bezieherinnen und Bezieher von geringen sondern auch von mittleren Einkommen“, fasste der Chef-Anlagestratege der Deutschen Bank für Privat- und Firmenkunden, Ulrich Stephan, zusammen. „Eine wachsende Zahl Sparerinnen und Sparer verfügen nicht mehr über Mittel, die sie dauerhaft anlegen können.“

Größte Preistreiber sind seit Monaten Energie und Lebensmittel. Mehr als ein Drittel (34,7 Prozent) der 2058 Befragten gaben an, sie würden wegen der gestiegenen Preise für Gas, Öl und Strom gerne finanzielle Rücklagen bilden. Dies sei ihnen aber nicht möglich.

Kaufkraft in Deutschland sinkt

„Unsere Umfrage zeigt, dass jeder zweite Mieter beziehungsweise jede zweite Mieterin einer unsanierten Immobilie finanzielle Rücklagen für steigende Energiekosten bilden möchte, aber dazu nicht in der Lage ist“, erläuterte Stephan. Die Bundesregierung will die Menschen mit Preisbremsen für Strom und Gas entlasten.

Höhere Teuerungsraten schmälern die Kaufkraft von Verbraucherinnen und Verbrauchern, diese können sich für einen Euro dann weniger leisten. Wer sparen kann, bekommt inzwischen zwar wieder etwas Zinsen. Doch weil die Inflation deutlich höher liegt als die Sparzinsen, nimmt der Wert des Geldes auf dem Konto ab.

Die deutliche Mehrheit der Befragten (68 Prozent) schätzen die Effekte der Inflation auf Ersparnisse korrekt ein. 7,3 Prozent meinen allerdings, Ersparnisse gewännen durch Inflation an Wert.