Berlin - Der Amtsarzt des Berliner Bezirks Neukölln, Nicolai Savaskan, sieht die in großem Stil geplanten Corona-Impfungen für Kinder kritisch. „Um die Pandemie zu kontrollieren, ist der Ansatz, die Fünf- bis Elfjährigen reihenweise zu impfen, falsch“, schreibt Savaskan in einem Beitrag, der der Deutschen Presse-Agentur am Montag vorlag. „Diese Gruppe eignet sich nicht für massenweises Abimpfen in Mehrzweckhallen und Bahnhöfen.“ Zudem seien in dieser Gruppe die Krankheitslast und die Belastungen für das Gesundheitssystem äußerst gering.

„Der Game Changer ist das Impfen in der Erwachsenengruppe“, sagt Savaskan. Ungeimpfte Erwachsene hätten das größte Risiko, durch eine Sars-CoV-2-Infektion ins Krankenhaus zu kommen. „Ungeimpfte Erwachsene belasten das Versorgungssystem am stärksten. Ungeimpfte Erwachsene haben die höchste soziale Mobilität und treiben somit am stärksten Viren in die Gesellschaft, stärker als Kinder.“ Daher müsse der Schwerpunkt im Bemühen um ausreichenden Impfschutz bei den Erwachsenen liegen. „Hier muss das Investment für die nächsten Monate liegen, um die Pandemie zu kontrollieren“, so Savaskan.

Amtsarzt Berlin-Neukölln: Mehrheit der Ungeimpften sind keine Impfgegner

„Die Mehrheit der Ungeimpften sind grundsätzlich keine Impfgegner*innen. Es sind die Barrieren und blinden Flecken unserer Gesundheitskommunikation, die Desinformation und Ängste nicht ausräumen.“ Savaskan plädiert deshalb für mehr aufsuchende Impfangebote und „zielgruppen-spezifische Ansprache“.

In Berlin sollen am Mittwoch in Impfzentren, an Schulen und anderen Orten Corona-Impfungen für Kinder zwischen fünf und elf Jahren starten. Die Ständige Impfkommission (Stiko) empfiehlt solche Impfungen ausdrücklich für Kinder dieser Altersgruppe, die Risikofaktoren für einen schweren Covid-19-Verlauf oder Angehörige mit hohem Risiko haben. Außerdem können Eltern nach individueller Aufklärung auch ihre gesunden Kinder impfen lassen.