Ob ans Meer, in den Wald oder die Berge – Berlinerinnen und Berliner können mit dem geplanten Neun-Euro-Monatsticket der Bundesregierung viele verlockende Reiseziele erreichen.

Das Top-Angebot ist als Teil des Energiekosten-Entlastungspakets der Ampel-Koalition geplant und soll ab dem 1. Juni überall in Deutschland erhältlich sein. Wichtig für alle, die schon Stammkunden sind und zum Beispiel ein Umweltkarten-Abo, ein Semester- oder Seniorenticket haben: Sie dürfen damit ebenfalls bundesweit den Nahverkehr nutzen - nicht nur in den Städten, auch über weitere Distanzen, ohne Aufpreis.

Welche Reisen bieten sich von Berlin aus an? Eine Übersicht.

Diese kurzen Strecken sind ab Berlin besonders reizvoll

Mit nur wenig Fahrzeit können Berliner zum Beispiel an die Ostsee reisen. Mit dem Regionalexpress RE3 dauert die Reise nach Stralsund laut Fahrplan drei Stunden und 13 Minuten. Von dort aus gibt es Anschluss nach Rügen und Barth. Der Regionalexpress RE5 fährt ebenfalls täglich alle zwei Stunden von Berlin nach Rostock - in zwei Stunden und 40 Minuten. Die Rostocker S-Bahn bringt die Fahrgäste nach Warnemünde.

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Rostock lohnt sich, zum Beispiel um eines der Volksfeste zu besuchen.

Aber Achtung: Während der schönen Jahreszeit sind die Regionalzüge ans Meer schon jetzt an Wochenenden überfüllt. Unbedingt unter der Woche reisen - oder lieber den Fernverkehr nutzen. Im ICE und Intercity wird das Neun-Euro-Ticket zwar nicht gelten, doch wer früh genug sein Ticket kauft, reist für relativ wenig Geld an die Ostsee. Die einfache Fahrt Berlin - Warnemünde ist für 17,90 oder 23,90 Euro zu haben. Anders als im Regionalverkehr kann man dort zudem einen Sitzplatz für vier Euro Gebühr reservieren.

Oder wie wäre es mit Schwerin (zweieinhalb Stunden Fahrzeit) oder Wismar (drei Stunden und 18 Minuten)? Täglich alle zwei Stunden fährt der Regionalexpress RE2 dorthin. Von Wismar geht es per Bus weiter auf die Insel Poel oder nach Boltenhagen.

Auch entlang der Regionalexpresslinie RE1 gibt es vielfältige Möglichkeiten für Ausflüge, etwas nach Potsdam, Magdeburg, Werder (Havel), Brandenburg (Havel) und Frankfurt (Oder). Diese Städte liegen zwar nicht am Meer, doch es gibt viel zu sehen. Als Radrouten bieten sich zum Beispiel der Spree-, der Havel- und der Elbe-Radweg an. Auch hier gilt: nach Möglichkeit das Wochenende meiden und lieber an anderen Tagen reisen.

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Das mittelalterliche Quedlinburg gilt als eine der schönsten Kleinstädte Deutschlands.

In Magdeburg gibt es Anschluss in Richtung Harz - ebenfalls täglich im Stundentakt. Mit dem Regionalverkehr dauert eine Reise von Berlin nach Wernigerode etwas mehr als drei Stunden. Quedlinburg liegt von der Hauptstadt drei Stunden und 12 Minuten entfernt. Nach Thale, Ausgangspunkt schöner Wanderungen, dauert die Fahrt nur wenig länger.

Der Regionalexpress RE3 bringt Geschichtsinteressierte täglich alle zwei Stunden in die Lutherstadt Wittenberg in Sachsen-Anhalt. Dort können Besucher das Lutherhaus besuchen (das ehemalige Wohnhaus Luthers und späteres Kloster) und die Stadtkirche aus dem 13. Jahrhundert am Marktplatz bewundern. Wer sich damit nicht aufhalten will, kann dort auch direkt in die S-Bahn umsteigen, die Reisende nach Leipzig befördert.

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Von Berlin aus geht es ab Juni mit dem Neun-Euro-Ticket auch in den Spreewald. Dort lohnt sich eine Bootsfahrt.

Auch eine Kanutour im malerischen Spreewald wartet auf unternehmungslustige Neun-Euro-Ticket-Besitzer. Die Linie RE2 der Ostdeutschen Eisenbahngesellschaft (Odeg) fährt Berlinerinnen täglich im Stundentakt direkt nach Lübben und Lübbenau. Wegen Bauarbeiten starten die Regionalexpresszüge zeitweise am Ostkreuz. Von dort liegt Lübben nur rund 50 Minuten Fahrt entfernt - mit dem Auto ist das nicht zu schaffen.

Mit etwas mehr Fahrtzeit reisen Berliner in diese Metropolen

So viel steht fest: Mit dem geplanten Sonderangebot lässt sich viel entdecken. Wer sich damit befasst, findet auch heraus, wie viele Ziele gut mit Regionalzügen erreichbar sind. Ein Anlass, auch Orte außerhalb der Ausflügler- und Touristenströme zu besuchen. Templin in der Uckermark, inmitten eines reizvollen Wald- und Seengebiets gelegen, ist ein gutes Beispiel. Der Ausgangspunkt für Wander-, Rad- und Paddeltouren ist von Berlin aus täglich im Stundentakt in nur anderthalb Stunden erreichbar. Oder wie wäre es mit Buckow in der Märkischen Schweiz? Dorthin kann die Fahrt je nach Startpunkt in Berlin nur rund eine Stunde dauern. Ab Müncheberg übernimmt der Bus.

Wer etwas mehr Fahrtzeit in Kauf nimmt, kann von Berlin aus auch so manche interessante deutsche Großstadt bereisen. So dauert es etwa etwas mehr als vier Stunden nach Hamburg, wobei ein Umstieg in Berlin ansteht. Fast doppelt so lange dauert die Fahrt nach München. Dabei stehen insgesamt drei Zugwechsel auf dem Plan. Auch nach Köln dauert die Fahrt über acht Stunden – doch dafür müssen Zugreisende sechsmal umsteigen. Wer ganz besonders viel Sitzfleisch hat, reist in 15 Stunden mit sechsmaligem Umsteigen nach Lörrach.

Ein Tipp für die Planung: Die Fahrplanfunktion auf der Internetseite www.bahn.de aufrufen und alle Fernzüge per Klick ausschließen - sodass die Auskunft ausschließlich Verbindungen des Regionalverkehrs anzeigt. Schon kann sie starten, die Lehnstuhlreise!