Das menschliche Gehirn.
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BerlinDas Coronavirus kann das Gehirn angreifen. Wie die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) mitteilt, kann es bei einer Infektion nicht nur zu vorübergehenden neurologischen Begleitsymptomen kommen, sondern auch zu Folgeerkrankungen. So könnten während der Virusinfektion neben Geruchs- und Geschmacksstörungen auch „diffuse Hirnschädigungen“, Entzündungen von Gehirn und Rückenmark oder Schlaganfälle auftreten, hieß es. 

Forscher der Berliner Charité untersuchten nun elf Intensivpatienten mit Covid-19 und neurologischen Symptomen auf spezielle Antikörper und wurden fündig: Das Immunsystem richtet sich offensichtlich bei schwer erkrankten Corona-Patienten gegen körpereigene Nervenzellen. 

„Die Viren können die Bildung von Autoantikörpern anregen, die genau an die Oberflächenstruktur von Nervenzellen passen. Derzeit prüfen wir, ob die Antikörper-Bildung eine Folge der virusbedingten Entzündung ist“, erklärt Prof. Dr. Harald Prüß von der Charité. „Alternativ könnte es sich dabei um eine ‚Strategie‘ des Virus handeln, seine Oberfläche körpereigenen Strukturen anzupassen, um von den Killerzellen des Immunsystems nicht erkannt zu werden.“ Dieser Mechanismus sei auch von anderen Viren bekannt, beispielsweise könnten Herpesviren auf diese Weise eine autoimmune Form der Hirnentzündung nach der eigentlichen viralen Infektion auslösen.