Berlin/Tokio - Die Welt diskutiert über eine Szene, in der ein Mann eine Frau ohrfeigt. Der Mann ist Claudiu Pusa und Judo-Trainer, die Frau die deutsche Judoka Martyna Trajdos. Während der vom Sender Eurosport live übertragenen Szene aus Tokio ist zu sehen, wie sich das Team auf den Kampf gegen die Ungarin Szofi Özbas vorbereitet. Dann der Moment, der viele Menschen ganz offenbar verstört. Der Trainer reißt zunächst heftig an der Judojacke seines Schützlings, dann verpasst er der Frau zwei kräftige Ohrfeigen.

Die Szene geht viral, bei Twitter und Instagram sind offenbar nicht alle User mit der ruppig wirkenden Motivationstaktik des Trainers einverstanden. Vor allem weibliche User zeigen sich ungläubig und verkünden, was sie mit dem Trainer alles anstellen würden. Tenor: Dass ein Mann eine Frau schlägt, ist grundsätzlich und unter keinen Umständen zu tolerieren.

Jetzt hat auch der Judo-Weltverband (IJF) reagiert: Er sprach eine Verwarnung gegen einen deutschen Trainer aus, ohne dabei explizit Trajdos, Pusa oder die Szene von den Wettkämpfen am Dienstag zu nennen. Die IJF rügte den Coach für sein „schlechtes Verhalten während des Wettbewerbs“, wie sie via Twitter mitteilte.

Die geohrfeigte Martyna Trajdos sieht die ganze Chose hingegen anders. Nach dem Wirbel um die Szene und die teils massiven Angriffe auf ihren Trainer hat sie sich jetzt bei Instagram gemeldet. Hier teilt sie das Video der fraglichen Szene und schreibt dazu: „Sieht so aus, als war es nicht hart genug.“

Und weiter: „Wie ich bereits sagte, das ist das Ritual, dass ich für einen Wettkampf ausgesucht habe.“ Dann stellt sie klar: „Mein Trainer macht nur das, was ich von ihm verlange, um mich anzufeuern!“

Der Weltverband scheint dies anders zu sehen: Er betonte in seiner Stellungnahme am Mittwoch, Judo sei ein „erzieherischer Sport und kann als solcher ein solches Verhalten, das gegen den Moral-Code im Judo verstößt, nicht tolerieren.“