Niederlande wollen sich offiziell für Sklaverei entschuldigen 

Für den Montag plant die niederländische Regierung eine Entschuldigung für die Sklaverei der vergangenen Jahrhunderte. Zuvor gab es einen großen Skandal.

Am Montagnachmittag will der niederländische Ministerpräsident Mark Rutte in Den Haag eine Ansprache zum Thema Sklaverei halten.
Am Montagnachmittag will der niederländische Ministerpräsident Mark Rutte in Den Haag eine Ansprache zum Thema Sklaverei halten.imago/Lex van Lieshout

Im kommenden Jahr gedenken die Niederlande der Beendigung der Sklaverei. Nun soll auch die Aufarbeitung zu dem Thema beginnen. Deshalb plant die niederländische Regierung eine Entschuldigung – kurz nach einem Rassismus-Skandal.

Die Niederlande wollen sich etwa 160 Jahre nach dem Ende der Sklaverei in ihren damaligen Kolonien offiziell für das Unrecht entschuldigen. Am Montagnachmittag will Ministerpräsident Mark Rutte im Nationalarchiv in Den Haag eine Ansprache zum Thema Sklaverei halten. Zudem sollen Kabinettsvertreter in der ehemaligen niederländischen Kolonie Suriname in Südamerika sowie auf den sechs bis heute zum Königreich gehörenden Karibikinseln sprechen.

Kritik schon im Vorfeld: Plan wurde aus Versehen veröffentlicht

Wie die Zeit berichtet, wurde die geplante Entschuldigung schon vorab unbeabsichtigt öffentlich. Das gewählte Datum hat bereits vorher Kritik hervorgerufen. Sechs surinamische Stiftungen beantragten eine gerichtliche Verfügung, um die Entschuldigung auf den 1. Juli 2023 zu verschieben, dem 160. Jahrestag des offiziellen Endes der Sklaverei in den niederländischen Kolonien. Das Gericht wies das Verfahren jedoch ab.

Entschuldigung folgt auf Skandal

Zwischen dem 17. und 19. Jahrhundert wurden mehr als 600.000 Menschen aus Afrika und Asien von niederländischen Kaufleuten verschleppt und als Sklaven missbraucht. Die Erlöse aus dieser Arbeit bereicherten das Königreich der Niederlande und trugen zum „Goldenen Zeitalter“ bei, einer Periode wirtschaftlichen Wohlstands im 17. Jahrhundert.

Laut mehreren Medienberichten kommen die Entschuldigungspläne kurz nach einem brisanten Bericht. In diesem wurde festgestellt, dass Mitarbeiter des niederländischen Außenministeriums rassistischen Äußerungen ausgesetzt waren und einige aufgrund ihrer Hautfarbe oder Herkunft bei Beförderungen übergangen wurden. Innerhalb der gleichen Abteilung wurden afrikanische Länder in internen Mitteilungen als „Affenländer“ bezeichnet.

Neben einer förmlichen Entschuldigung hat die niederländische Regierung versprochen, 200 Millionen Euro für Aufklärungsprojekte bereitzustellen und 27 Millionen Euro für ein Sklaverei-Museum zu verwenden, berichtet BBC.