Die in Berlin lebende Kabarettistin Idil Baydar 
Foto: Berliner Zeitung/Volkmar Otto

BerlinRecherchen von WDR und Süddeutscher Zeitung zufolge haben hessische Ermittler vier Polizistinnen und Polizisten befragt, die verdächtige Abfragen in Datenbanken vorgenommen haben haben sollen. Demnach geht es um Daten der Kabarettistin Idil Baydar und der Kolumnistin Hengameh Yaghoobifarah. Beide erhielten nach den Abfragen Schreiben, in denen sie beleidigt und mit dem Tode bedroht wurden.

Die Hamburger Beamten gaben dem dem Bericht zufolge an, Yaghoobifahras Daten aus Neugier beziehungsweise Wut über ihre Kolumne in der taz abgefragt zu haben. Aus Sicht der Sonderermittler gebe es bislang aber keine Belege dafür, dass sie die Daten genutzt oder weitergegeben haben. In Berlin konzentriert sich der Verdacht auf zwei Beamte in den Stadtteilen Neukölln und Spandau.

Sie sollen privaten Informationen über Idil Baydar abgefragt haben. Den Ermittlern fiel besonders das Datum der Abfrage auf. An einem Tag im März 2019 war Baydar gleichzeitig in Berlin und Wiesbaden ausgeforscht worden. Andererseits seien an den Polizeicomputern in Berlin offenbar nur wenige Daten über sie abgerufen worden – und nicht jene Details über Familienmitglieder, die bald darauf in Drohschreiben an sie auftauchten.

Bereits seit August 2018 verschicken Unbekannte Drohschreiben unter dem Pseudonym NSU 2.0, das an die Terrororganisation Nationalsozialistischer Untergrund (NSU) erinnert. Immer wieder weisen Spuren zur Polizei. Eine Gruppe von Sonderermittlern führt von Wiesbaden aus die bundesweiten Ermittlungen.