Berlin - Die Grippe-Saison 2020/21 ist in Berlin laut Meldedaten praktisch ausgefallen. In der Millionenmetropole wurden seit Anfang Oktober lediglich zwölf nachgewiesene Influenza-Fälle erfasst, wie aus einer Online-Datenbank des Robert-Koch-Instituts (RKI) hervorgeht (Stand: 19. April). Dies ist der niedrigste Wert in der RKI-Statistik, die bis 2000/01 zurückreicht. Auch in den anderen Bundesländern sind die Werte für diese Saison nur zweistellig, im Fall des Saarlands mit sieben Fällen sogar einstellig.

In der Regel wird das Influenzavirus der RKI-Statistik zufolge über die Wintermonate bei mehreren Tausend Berlinern nachgewiesen. In der Saison 2019/20, die bereits mit dem ersten Corona-Lockdown abflaute, waren es noch mehr als 5800 erfasste Fälle. Auf das Konto der schweren Grippewelle 2017/18 gingen mehr als 11.400 Kranke mit bestätigter Influenza-Infektion. Die Dunkelziffer gilt bei der Grippe allerdings als sehr hoch.

Weltweit werde „über eine ungewöhnlich niedrige Influenza-Aktivität berichtet, die deutlich unter den Ergebnissen der Vorjahre liegt“, schreibt die Arbeitsgemeinschaft Influenza in ihrem Bericht von vergangener Woche. „Die Zirkulation von Influenzaviren stagniert in der Saison 2020/21 auf einem extrem niedrigen Niveau“, schreiben die RKI-Experten. Offiziell läuft die Grippesaison noch bis Mitte Mai.

Fachleute vermuten, dass die Corona-Maßnahmen Wirkung auch für andere Krankheitserreger entfaltet haben, die auf den gleichen oder auf ähnlichen Ansteckungswegen verbreitet werden. Auch weitere Einflussfaktoren durch die Pandemie gibt es: Das Interesse an der Grippe-Schutzimpfung im Herbst war größer als normalerweise. Die Grippe-Überwachung kann zumindest ein Stück weit auch dadurch beeinträchtigt worden sein, dass mehr Kranke den Arztbesuch mieden oder sich der Fokus von Teststrategien veränderte.