Berlin/Potsdam - Ein bisschen Planschen nur bei schönstem Sonnenschein war gestern. Viele Berliner und Brandenburger betreiben den Trendsport Stand-up-Paddling immer ausgiebiger und professioneller - bis hin zum Leistungssport. „Manche Paddler sind mittlerweile in zehn von zwölf Monaten auf dem Wasser. Man braucht nur die richtige Kleidung“, sagt Severine Scala vom Berliner StandUpClub.

Seit Jahren sind Stehpaddler auf Gewässern in der Region unterwegs. Im Pandemiejahr 2020 erlebten die Bretter und Stechpaddel einen regelrechten Boom. „Die Berliner haben sich die Spree zurückerobert“, so Scala. Und die Begeisterung lasse nicht nach. „Viele kaufen sich jetzt schon ihr zweites Board, machen Tagestouren oder sind auch länger unterwegs, zum Teil mit der ganzen Familie“, erzählt sie.

Scala vermietet und verkauft Boards, darunter auch Luxusvarianten für mehrere Tausend Euro. Sie bietet Kurse und Touren an, etwa Yoga auf dem Wasser oder „After Work Paddel-Touren“, bei denen Feierabendpaddler gemeinsam den Sonnenuntergang auf der Spree genießen können.

Rennen in Berlin: Stand-up-Paddling wird Leistungssport

„Stehend hat man eine ganz andere Perspektive und sieht mehr. Der ganze Körper wird trainiert und auch die Tiefenmuskulatur gefordert“, zählt der ehemalige Junioren-Vizeweltmeister im Kanu-Rennsport, Steven Bredow einige Vorzüge auf. Der begeisterte Stehpaddler ist im Deutschen Kanuverband für den Bereich Stand-up-Paddling zuständig und betreibt automatische Verleihstationen mit Schließfächern, aus denen sich Paddler ihre Boards holen können, wann immer sie wollen.

„Stand-up-Paddling ist auch ein Leistungssport. Das ist noch zu wenig bekannt“, sagt Martin Teichmann von SUPTRIP in Potsdam. So finden zum Beispiel auch in Berlin und Brandenburg Rennen statt. Teichmann kümmert sich im Brandenburgischen Kanuverband um das Stehpaddeln. Er trainiert Kinder, darunter drei deutsche Meister, organisiert Rennen und will die Nachwuchsarbeit weiter vorantreiben.

„Für das kommende Jahr planen wir Arbeitsgemeinschaften für Schüler, die Nachfrage ist da“, so Teichmann. Er gilt als einer der SUP-Pioniere in Potsdam. Er hat seine Station bereits 2013 gegründet, als der Sport noch weitgehend unbekannt war. Teichmann bietet neben Kindergeburtstagen, Firmen-Events und SUP-Polo auch Fitness- und Technik-Kurse für Fortgeschrittene an.

Für Neulinge wird Einsteiger-Kurs empfohlen 

„Kunden, die das erste Mal auf ein Brett steigen, empfehlen wir unbedingt einen Einsteigerkurs“, so der Potsdamer. Dabei gehe es nicht nur um die richtige Technik, sondern auch um Regeln auf dem Wasser. Leider gebe es auch unter den Stehpaddlern immer wieder solche, die weder Rücksicht auf die Umwelt noch auf die Verkehrsregeln nähmen.

„Leider Gottes passiert es immer wieder, dass Paddler Schilfgürtel zerstören, durch geschützte Seerosen fahren“, so Teichmann. Das gelte auch für Paddler mit Booten. „Manche meinen, durch die Fahrrinnen der Berufsschiffahrt fahren zu müssen. Frachtschiffe haben einen langen Bremsweg, das wird manchmal unterschätzt“, berichtet Michael Neiße, Sprecher der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft in Berlin.

Er rät, nicht einfach drauflos zu paddeln, sondern sich vor Fahrten immer mit den örtlichen Gegebenheiten vertraut zu machen. Viele Tipps finden Interessierte auch beim Verband „German Stand Up Paddle Association“. Dieser hat „10 Goldene SUP-Regeln“ zum Paddeln veröffentlicht.

Paddeln im Stehen hat jahrhundertelange Tradition

Aus Sicht der Berliner Polizei verhalten sich die Stehpaddler nicht sonderlich auffällig: „Stand-up-Paddler nehmen aus schifffahrtspolizeilicher Sicht keine hervorstechende Position ein“, so Sprecherin Heidi Voigt. Die Wassersportler könnten zumeist keine hohen Geschwindigkeiten entwickeln. „Zudem sind sie im Allgemeinen gut sichtbar, fahren in der Regel in Ufernähe und reagieren meist eigenverantwortlich auf Wellen und Strömungen“, so die Sprecherin.

Das Paddeln im Stehen ist laut Deutschem Kanuverband von peruanischen Fischern oder auch Polynesiern seit Jahrhunderten überliefert. Im Jahr 2000 habe der Sport große Aufmerksamkeit erlangt, als Surfer wie Dave Kalama oder Laird Hamilton anfingen, sich mit Stand-up-Paddling in wellenarmen Zeiten fit zu halten. Seitdem habe das Stand-up-Paddling seinen Siegeszug um die Welt angetreten.

Ende Juli verunglückte in Berlin ein Stehpaddler auf dem Schlachtensee. Er war ins Wasser gefallen und konnte nur noch tot geborgen werden. Laut einem Sprecher der Berliner Staatsanwaltschaft war der Mann ertrunken. Er konnte nicht schwimmen.