Oder-Fischsterben: Ursache wohl endgültig geklärt

Lange rätselten Forscher über das plötzliche Massensterben in der Oder. Ein Bericht soll nun die Ursache geklärt haben. Ist der Bergbau für das Sterben verantwortlich?

Ein toter Fisch liegt im seichten Wasser der Oder. 
Ein toter Fisch liegt im seichten Wasser der Oder. dpa/Patrick Pleul

Im Fall des rätselhaften Fischsterbens in der Oder haben polnische Wissenschaftler einen Bericht vorgelegt, der eine giftige Alge für die Umweltkatastrophe verantwortlich macht. „Der Grund für das Fischsterben war höchstwahrscheinlich die toxische Wirkung einer Algenblüte“, sagte die Wasserbiologin Agnieszka Kolada vom Institut für Umweltschutz am Donnerstag in Warschau.

Das polnische Umweltministerium hatte eine Gruppe von 49 Wissenschaftlern aus 14 Forschungsinstituten damit beauftragt, den Ursachen des plötzlichen Massensterbens auf den Grund zu gehen.

Fischsterben in der Oder: Greenpeace macht Bergbau verantwortlich

Ende Juli waren zunächst auf polnischer Seite erste Funde an der Wasseroberfläche treibender Fische verzeichnet worden. Im August häuften sich dann auch in Deutschland die Fälle, bis von regelrechten Teppichen aus hunderttausenden Tierkadavern die Rede war. Eine eindeutige Erklärung für das Phänomen hatten auch zahlreiche Experten bislang nicht liefern können. Im Zuge der langwierigen Suche nach möglichen Ursachen war schließlich in Wasserproben beider Länder die Algenart Prymnesium parvum nachgewiesen worden – die ein für Fische tödliches Gift abgeben kann.

Im Rahmen der umfassenden Untersuchung seien in der Zeit vom 12. August bis 8. September insgesamt 221 Wasserproben aus verschiedenen Abschnitten der Oder entnommen worden, sagte Kolada. In 78 Prozent dieser Proben habe sich Prymnesium parvum nachweisen lassen. Diese Algenart sei zuvor in Polen noch nie bemerkt worden. Auch Proben aus verendeten Fischen und Muscheln wiesen darauf hin, dass das Algengift der Grund für das „plötzliche, schnelle“ Ableben der Tiere gewesen sei.

Der Umweltschutzorganisation Greenpeace reicht die Erklärung der polnischen Forscher allerdings nicht. Zwar stimmen die Umweltschützer den Beobachtungen der Wissenschaftler grundsätzlich zu, sie machen darüber hinaus jedoch die polnische Bergbauindustrie dafür verantwortlich, dass besagte Algen überhaupt erst entstehen konnten. Schuld sei demnach das Einleiten von Salz in den Fluss gewesen, teilte Greenpeace am Donnerstag in Hamburg mit. Eine Analyse von 17 Wasser- und Bodenproben habe durchgehend hohe Werte von Salzen und Schwermetallen gemessen.

Umweltschützer: Oder-Ausbau sofort stoppen

Die höchsten Salzwerte fanden sich laut Greenpeace an einem Rückhaltebecken des Bergbaukonzerns KGHM in Gmina Polkowice (Woiwodschaft Niederschlesien). Dort sei der Salzgehalt 40-Mal so hoch wie der für Süßwasser empfohlene Wert gewesen. Das salzhaltige Wasser begünstige wiederum die Vermehrung giftiger Algenarten wie Prymnesium parvum.

Bei Greenpeace sprach man daher von einer vermeidbaren Umweltkatastrophe. „Hunderttausende Tiere sind qualvoll gestorben, weil grundlegende Kontrollen vernachlässigt wurden“, sagte Pressesprecherin Nina Noelle. Die Umweltschützer fordern nun von den Regierungen Polens und Deutschlands, den Fluss zu renaturieren, rund um die Uhr zu überwachen und das Einleiten von schädlichen Substanzen zu verbieten. 

Die Umweltorganisation WWF warnte indes vor der Durchführung bereits 2015 beschlossener Ausbauarbeiten an der Oder. „Mit der weiteren Kanalisierung ist die nächste Katastrophe vorprogrammiert“, erklärte WWF-Gewässerexperte Tobias Schäfer. Die polnische Regierung hält bislang an einem Ausbau des Grenzflusses fest.