Die Kulturlandschaft Oderbruch trägt nun offiziell das Europäische Kulturerbe-Siegel. Das dazugehörige Projekt „Das Oderbruch - Menschen machen Landschaft“ bekommt am Montagabend bei einem Festakt in Brüssel das EU-Siegel überreicht, wie die Akteure und das Brandenburger Kulturministerium mitteilten. Zu der achtköpfigen Delegation gehören außer den Preisträgern auch Kulturministerin Manja Schüle (SPD) und Landrat Gernot Schmidt (SPD/Märkisch-Oderland).

Ausgezeichnet wurde Europas größte besiedelte Polderlandschaft, weil nach Angaben der EU-Kommission die Ideale und die Geschichte der Europäischen Union hier in besonderer Weise symbolisiert werden. Damit bekomme erstmals in der Geschichte des Siegels eine gesamte Landschaft diese Anerkennung. Akteure vor Ort hatten sich lange darum bemüht. Rund 36 Oderbruch-Orte hatten sich dem Vorhaben angeschlossen, das über zwei Jahre vorbereitet wurde. Mit der Auszeichnung soll das Oderbruch an öffentlicher und politischer Aufmerksamkeit gewinnen.

Für Kulturministerin Schüle ist das Oderbruch ein eindrucksvolles Beispiel gelungener Integration. „Menschen aus ganz Europa haben es in den vergangenen Jahrhunderten mit ihrem Wissen und ihrem Einsatz urbar gemacht, gestaltet und bereichert“, erklärte sie.

Die Region ist nach der Trockenlegung vor knapp 270 Jahren entstanden, wurde durch Preußenkönig Friedrich II. mit Kolonisten besiedelt und wird durch ein ausgeklügeltes Wassersystem als Lebensraum erhalten. Nur zwei Projekte - neben dem Oderbruch das Kloster Fulda nebst Petersberg in Hessen - hatte die deutsche Kultusministerkonferenz 2020 zur Bewerbung an die EU-Kommission weitergeleitet. Die Pandemie hatte das weitere Prozedere erschwert.

„Das Wichtigste ist die kommunale Beteiligung, sie ist doppelt so viel Wert, weil die Menschen vor Ort mit einbezogen werden“, sagte Kenneth Anders, Programmleiter am Oderbruch Museum Altranft - Werkstatt für ländliche Kultur der Deutschen Presse-Agentur. Wenn man gemeinsam eine kluge Beschreibung der eigenen Landschaft entwickele, werde Kultur zur Regionalentwicklung. Die Auszeichnung setze ein Zeichen für die Menschen, die im Oderbruch ihre Heimat haben und die Region mit Leben und Sinn erfüllten, so Landrat Schmidt.