Den Haag - Das Tochterunternehmen des Ölkonzerns Shell in Nigeria muss nach einem Gerichtsurteil Bauern in dem Land für Verschmutzung entschädigen. Das Unternehmen sei haftbar für Verseuchungen durch Öl-Lecks 2004 und 2005, stellte das zuständige Berufungsgericht in Den Haag fest. Die Höhe der Entschädigung muss demnach später bestimmt werden. Der britisch-niederländische Mutterkonzern mit Sitz in Den Haag sei zwar nicht direkt haftbar, wie das Gericht urteilte. Der Konzern habe aber eine Sorgfaltspflicht und wurde deshalb dazu verurteilt, alte Öl-Leitungen mit Sensoren zur Entdeckung von Lecks auszurüsten.

Vier Bauern aus Nigeria und die Umweltorganisation Milieudefensie hatten das Unternehmen auf Schadenersatz verklagt und die Sanierung des Bodens im Niger-Delta gefordert. Shell hatte die Vorwürfe zurückgewiesen und erklärt, dass Saboteure für die Lecks verantwortlich gewesen seien. Das aber sah das Gericht nur in einem Fall als „zweifelsfrei bewiesen“ an. Die Forderung nach der Sanierung wurde abgewiesen.

In einer ersten Reaktion auf Twitter reagierte die Milieudefensie positiv: „Wir heulen vor Glück. Nach 13 Jahren haben wir gewonnen.“ Bereits 2013 war Shell Nigeria in erster Instanz zur Zahlung von Schadenersatz in einem Fall verurteilt worden. Beide Seiten hatten daraufhin Berufung eingelegt. Bezüglich einer dritten Forderung wurde das Urteil vertagt. Die Entscheidung kann auch Folgen für andere Forderungen gegen Shell in Nigeria haben. Bereits das Urteil von 2013 galt als wegweisend, da Forderungen gegen ein ausländisches Tochterunternehmen auch am Hauptsitz des Konzerns durchgesetzt werden konnten.