ÖPNV: Berlin für Tariferhöhungen nur in Brandenburg

Nach dem Verkaufsstart des 29-Euro-Tickets will der Senat nun VBB-Tariferhöhungen für 2023 abwenden. In Brandenburg sollen die Tickets trotzdem teurer werden.

Laut Berliner Senat soll der ÖPNV im nächsten Jahr zunächst nur in Brandenburg teurer werden.
Laut Berliner Senat soll der ÖPNV im nächsten Jahr zunächst nur in Brandenburg teurer werden.dpa/Carsten Koall

Der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) berät in dieser Woche über mögliche Tariferhöhungen ab 2023 zur Abfederung der gestiegenen Betriebskosten. Das Land Berlin möchte laut RBB-Informationen jedoch einen Anstieg der Ticketpreise im Stadtgebiet vermeiden – in Brandenburg solle der öffentliche Nahverkehr hingegen wie angekündigt teurer werden. Ein entsprechender Vorschlag soll demnach bei der VBB-Aufsichtsratssitzung am Donnerstag diskutiert werden.

Konkret wolle der Berliner Senat eine Zusage zu gleichbleibenden Tarifen im AB-Bereich bis Ende März nächsten Jahres erreichen. In Brandenburg könnte der ÖPNV indes schon ab dem 1. Januar teurer werden. Dies soll laut dem Vorschlag der Berliner Landesregierung jedoch auch die die BC- und ABC-Tickets miteinschließen.

Senat: Vorhaben durch Nachtragshaushalt finanzieren

Über das zeitweilige Einfrieren der Ticketpreise hinaus plane der Berliner Senat zudem eine Vergünstigung des Sozialtickets für den Tarifbereich AB. Das Angebot für einkommensschwächere Haushalte lag zuletzt bei 27,50 Euro im Monat, soll dem Vorschlag des Senats zufolge aber künftig für einen Preis zwischen 9 und 19 Euro angeboten werden.

Hintergrund war weitreichende Kritik an dem seit Anfang der Woche erhältlichen 29-Euro-Ticket der Landesregierung. Nachdem man sich im Senat zunächst gegen weitere Vergünstigungen – auch für Sozialhilfeempfänger – ausgesprochen hatte, stellte Verkehrssenatorin Bettina Jarasch (Grüne) vergangene Woche im Abgeordnetenhaus doch noch Pläne für ein „sozial gestaffeltes“ Nahverkehrsticket ab 2023 vor. Forderungen danach hatte es insbesondere aus der Linksfraktion gegeben.

Mindereinnahmen, die durch die nun vorgeschlagenen Entlastungen auf die Verkehrsbetriebe zukommen würden, wolle der Senat nach RBB-Informationen aus dem Landeshaushalt begleichen – notfalls auch über einen Nachtragshaushalt.

Der VBB ist nach eigenen Angaben auf die geplanten Tariferhöhungen angewiesen, auch um die zuletzt stark gestiegenen Stromkosten auszugleichen. Allein der Strom für den Betrieb der Züge werde in diesem Jahr wohl dreimal so teuer werden, wie noch vor zwei Jahren, teilte S-Bahn-Chef Peter Buchner mit. „Dadurch werden wir tief in die roten Zahlen rutschen“, so Buchner. Die letzte Preisanhebung um rund 2 Prozent hatte der VBB zum 1. Januar 2021 vorgenommen.