Wien/Brüssel - Österreichs neuer Regierungschef ist zu seiner ersten Auslandsreise aufgebrochen. „Meine erste Reise als Bundeskanzler führt mich heute bewusst nach Brüssel“, schreibt Alexander Schallenberg auf Twitter. Eine nachvollziehbare Entscheidung des Politikers. Was allerdings für Verwunderung und Belustigung auf Twitter sorgt: Der Tweet wurde zuerst über den Account von Ex-Kanzler Sebastian Kurz (beide ÖVP) versendet. 

Schnell wurde der Tweet wieder gelöscht und von Schallenbergs Account erneut verbreitet – gleicher Text, gleiches Bild. Auf Twitter lässt sich das falsche Posting aber nicht mehr einfangen. Ein Nutzer schreibt etwa: „Sebastian Kurz reist als Alexander Schallenberg verkleidet nach Brüssel.“

ORF-Journalist Martin Thür kommentiert: „Ich bin kein Schattenkanzler“ und zitiert damit Sebastian Kurz, der erst kürzlich bekräftigte, sich nicht in die Regierungsarbeit des neuen Kanzlers einzumischen. Rudi Fußi, ein bekannter österreichischer PR-Berater attestiert: „Die beiden Accounts sind mal definitiv Marionetten.“ Hanna Herbst, leitende Mitarbeiterin des ZDF Magazin Royale von Jan Böhmermann und Deutsch-Österreicherin, fragt: „Wem ist das passiert? Und wie passiert das?“ Eine österreichische Twitter-Nutzerin mutmaßt, dass Sebastian Kurz und Alexander Schallenberg dieselben Social-Media-Mitarbeiter haben.

Der Fauxpas folgt nur wenige Tage nachdem Sebastian Kurz als österreichischer Bundeskanzler zurückgetreten ist. Anfang Oktober hatte die Staatsanwaltschaft bekannt gegeben, gegen den ÖVP-Chef wegen Korruptionsverdachts zu ermitteln – begleitet von Hausdurchsuchungen in Kurz' Dienstsitz und der Parteizentrale der Volkspartei. Sein Rückzug war die einzige Möglichkeit, einem Misstrauensvotum im Parlament zu entgehen.